„Bis zu 400 m“: Nur logisch falsch oder doch gelogen?

Bis zu 400 m

Der Betreiber des Endlagers Konrad wird nicht müde, immer wieder zu betonen, dass über dem Endlager „eine bis zu 400 m dicke Tonschicht“ liegt. Das belegt die folgende Quellensammlung:

Es wird großflächig von bis zu 400 m dicken Schicht aus tonigen Gesteinen der Unterkreide überdeckt. Darüber liegen mehrere hundert Meter mächtige Kalksteine der Oberkreide.

Die Tiefenwässer im Eisenerz sind davon durch bis zu 400 Meter mächtige wasserundurchlässige Schichten getrennt.

Oberhalb der eisenhaltigen Gesteinsschichten befindet sich eine etwa 400 Meter dicke Tonschicht, die wasserundurchlässig ist.

Die darüber liegende, bis zu 400 Meter dicke Deckschicht aus Tonsteinen dichtet die Grube gegen das oberflächennahe Grundwasser und den Stichkanal Salzgitter ab.

Die darüberliegende, bis zu 400 Meter dicke Deckschicht aus Tongesteinen bildet eine natürliche Barriere gegen das oberflächennahe Grundwasser und den Stichkanal Salzgitter.

Bis zu 400 Meter mächtige Schicht aus verschiedenen Tonen als natürliche geologische Barriere.

Die bis zu 400 Meter dicke Schicht aus verschiedenen Ton- und Mergelsteinen dichtet das Erzlager Konrad insbesondere gegen oberflächennahes Grundwasser ab.

Eine 400 Meter dicke Tonschicht dichtet die Grube von der Außenwelt ab und isoliert die Abfälle langfristig von der Biosphäre.

Eine bis zu 400 m dicke Tonschicht schirmt die Abfälle nach oben hin ab und hält die Einlagerungsbereiche des Endlagers Konrad dicht verschlossen.

Das Loch im Eimer

Dies zeugt nicht gerade von fachlicher Kompetenz des Betreibers. Denn bei einem Endlager – wie bei einem Eimer – ist nicht die größte “Wandstärke”, sondern die geringste ein Indikator für die Abdichtwirkung. Ein  Wassereimer mit Loch kann  durchaus eine maximale Wandstärke von zwei Millimetern besitzen. Trotzdem ist er undicht.

nirgends geringer als 170 m

Bei intensiver Suche findet man schließlich auch eine Stelle, wo eine Aussage über die geringste „Wandstärke“ des Endlagers Konrad gemacht wird.

Die Überdeckung durch tiefere Unterkreide ist über dem Grubengebäude nirgends geringer als 170 m. Nach Westen nimmt sie auf etwa 270 m, nördlich des Bleckenstedter Sprungs auf fast 400 m zu. Die weitere Überdeckung des Grubengebäudes durch das Alb beträgt im Mindestfall im Osten 210 m. Sie nimmt nach Westen auf maximal 300 m zu. Der die gute Barrierewirkung störende Sandhorizont an der Basis des Alb (Hilssandstein) kommt nur über den südlichen Teilen des Grubengebäudes in Mächtigkeiten von maximal etwa 5 m vor.

Die Täuschung der BürgerInnen

Die Aussage „bis zu 400 m“ ist also nicht falsch, aber logisch falsch eingesetzt. Für den geologischen Laien ist das irreführend. Es wird eine größere Sicherheit suggeriert als vorhanden ist. Die BürgerInnen werden offensichtlich getäuscht. In der Kommunikationswissenschaft ist das ein heiß diskutiertes Thema. Zum Beispiel abgehandelt unter der Überschrift Lügen PR-Praktiker? Darf und muss PR sogar lügen? in Kommunikation und Verständigung Seite 76ff., wo die konträren Positionen von Klaus Klocks und Klaus Merten vorgestellt werden.

Wahrhaftigkeitsanspruch an eine wissenschaftlich-technische Bundesbehörde

Der Betreiber des Endlagers Konrad ist aber eine wissenschaftlich-technische Bundesbehörde, bei der die BürgerInnen an die Öffentlichkeitsarbeit höhere Ansprüche stellen können als an private wirtschaftliche Unternehmen oder an politische Institutionen.

Basteln eines Modells

Wer sich einen besseren Überblick über die abdeckenden Schichten des Endlagers Konrad verschaffen will, kann sich ein kleines 3D-Modell basteln: Drucke Seite 34 der BfS-Broschüre möglichst groß aus, schneide die beiden geologischen Schnitte aus und setze sie an den mit W-E-Profil und N-S-Profil bezeichneten Stellen rechtwinklig zusammen. Schon ist das Modell fertig.

Hilssandstein als eine Schwachstelle

Was sofort auffällt: Im N-S-Schnitt fehlt eine Schicht der tieferen Unterkreide, das Oberapt (siehe Seite 35). Hoffentlich stimmt die Angabe zum Hilssandstein, denn dieser ist als Sandhorizont wasserleitend und stellt eine Schwachstelle des Endlagers dar.

Ein Gedanke zu „„Bis zu 400 m“: Nur logisch falsch oder doch gelogen?

  1. Die BfS-Broschüre Endlagerung radioaktiver Abfälle als nationale Aufgabe, aus der das Zitat unter NIRGENDS GERINGER ALS 170 M stammt und aus der die Seite 34 für das Bastelmodell verwendet wird, wurde – wohl in Umsetzung des BfS-Mottos “Transparenz und Offenheit” – aus dem Internet entfernt. InteressentInnen können für private Zwecke eine Kopie erhalten.
    Wenden Sie sich bitte an kontakt[ätt]endlagerdialog.de

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