ENTRIA – Aller Anfang ist schwer?

morphInternetauftritt nach einem halben Jahr

Nun ist es geschafft, das Forschungs-
projekt Entsorgungsoptionen für radioaktive Reststoffe – Interdisziplinäre Analysen und Entwicklung von Bewertungsgrundlagen (jetzt ENTRIA) hat eine Internetseite. Man könnte jubeln, wenn nicht…

Stolperstellen bis zur Gefangennahme mit error 404

Der Auftritt bietet zur Begrüßung gleich mal Tippfehler

Deshalb vereint ENTRIA technische und gesellschaftswissenschaftliche Ansätze zur Untersuchung der drei wichtigen Entsorgungsoptione.

und weitere Stolperstellen in Form von sachentstellenden Eingabefehlern

– eine stärkere Beachtung öffentlicher Belange erforderlich
– erwarte aufgrund der Unabhängigkeit und Authentizität der beteiligten Wissenschaftler
– konstruktive Forschungsergebnisse der Plattform

Solche Fehler lassen sich einfach vermeiden. Simple technische Instrumente helfen hier, außer man verzichtet vollständig auf Qualitätssicherung. Doch es kommt noch dicker. Wenn man nicht aufpasst, landet man unter login in einer Umgebung, die mit error 404 umgeben ist. Nicht einmal das Impressum ist von hier aus zugänglich.

Der Server unter www.entria.uni-hannover.de konnte nicht gefunden werden.

Die zahlende NutzerIn fragt sich an dieser Stelle, wozu das login eigentlich dienen soll? Kann sie sich hier einloggen und ihr Geld zurückverlangen?

Von 23 MitarbeiterInnen nur die Namen

Die MitarbeiterInnen werden als Mitarbeiter aufgelistet. Jedoch erfährt man von 23 der insgesamt 61 MitarbeiterInnen lediglich die Namen. Weitere Informationen werden verwehrt, ohne dass auf datenschutzrechtliche Gründe verwiesen wird.

Die Morphologie der Forschung

Unter Forschung wird man grafisch auf die Morphologie des Projekts hingeleitet, geprägt durch Vertikal- und Transversalprojekte. Dies wird aber unter Projekte sofort wieder in eine Sternkonfiguration transformiert. Warum diese Transformation, sollen die Einzelprojekte doch nichts miteinander zu tun haben und nur aus dem ENTRIA-Steuertopf finanziert werden?

Und die Arbeitspakete

Tief verschachtelt findet man die 27 einzelnen Arbeitspakete. Von 8 Arbeitspaketen wird aber lediglich das Thema genannt, und weitere Informationen dazu werden verschwiegen. Insgesamt stellt sich die Frage, für welche Zielgruppe die Site gedacht ist. Wer kann etwas mit MCNP Modellierung, THM-Zweiphasenfluss, THC-Modell und THMC-Protessen anfangen?

Auffallend ist, dass sowohl Salinar- als auch Tongestein erwähnt werden. Kristallingestein spielt beim ersten Blick auf die Arbeitspakete offensichtlich keine Rolle. Weiterhin fehlt die immer wieder in die Diskussion geworfene sogenannte Entsorgungsoption Abtrennung/Transmutation.

Suchfunktion als Fake

Bei dieser Gelegenheit stellt sich die Suchfunktion als Fake heraus: Die Suche nach THMC-Protessen (AP 5.3) führt zu

Suche nach „THMC-Protessen“ in www.entria.uni hannover.de
Keine Ergebnisse

Offensichtlich muss hier auf mehreren Ebenen noch nachgebessert werden.

Jetzt wird es spannend

Unter Aktuelles ist zu finden Erstes ENTRIA-Projekttreffen. Doch der 12-Zeiler ist enttäuschend. Es finden sich nur Andeutungen darin, alles entbehrliche Marginalien. Es stellen sich die Fragen:

  • Wo sind die gehaltenen Impulsvorträge in Text und Präsentation?
  • Wo findet man die vollständige Liste der  formulierten Fragen an andere Disziplinen?
  • Wo sind die Diskussionbeiträge dokumentiert?
  • Wo sind die Vorschläge zu Formen der interdisziplinären Zusammenarbeit und zur Wissensvermittlung nachzulesen?

Und der Beirat?

Mit Datum vom 27.04.2013 wird berichtet:

Aus diesem Anlass ergaben sich erste angeregte Diskussionen mit Mitgliedern des Beirats, der ENTRIA wissenschaftlich begleiten wird.

An anderer Stelle ist mit Stand 17.06.2013 zu lesen:

Zur wissenschaftlichen Begleitung der Plattform wird ein Beirat gebildet. Seine vorrangige Funktion besteht darin, die Arbeit der Plattform kritisch zu begleiten und Hinweise für die Planung und Durchführung von Symposien und Workshops zu liefern. Ihm obliegt auch die externe Evaluierung. Gegenwärtig erfolgt [erfolgen] die Erarbeitung des genauen Mandats und die Berufung von Beiratsmitgliedern durch das BMBF in Einvernehmen mit der Plattform.

Gibt es den Beirat bereits oder nicht? Wird hier noch fleißig gemauschelt? Und das mit 15 Mio. EUR Steuermitteln?

Es fehlt der begründete Forschungsantrag, aus dem hervorgeht, welche Defizite die zahlreichen bisherigen Studien zum Vergleich der Entsorgungsoptionen haben und wie diese durch das steuerfinanzierte 15 Mio.-Projekt behoben werden sollen. Siehe auch Artikel “Forschungsplattform Entsorgungsoptionen” mit 15 Mio. EUR Steuermitteln ausgestattet.

6 Gedanken zu „ENTRIA – Aller Anfang ist schwer?

    • Die Nachfrage wurde in der gesetzlich vorgeschriebenen Frist nicht beantwortet. Deshalb wurde gemahnt:

      Sehr geehrte Damen und Herren,

      meine Informationsfreiheitsanfrage „Forschungsprojekt ENTRIA“ vom 18.06.2013 wurde von Ihnen nicht in der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit beantwortet.

      Bitte informieren Sie mich umgehend über den Stand meiner Anfrage. Wann kann ich mit Auskunft / Termin zur Akteneisicht rechnen?

      Die Sache ist dringend, da aufgrund der Informationen auf http://www.entria.de die Befürchtung besteht, dass die Besetzung des Beirats im Mauschelverfahren stattfindet. Einerseits wird berichtet, dass Beiratsmitglieder am Projekttreffen am 27.04.2013 teilgenommen haben, andererseits erst die Erarbeitung des Mandats stattfindet ( Stand 27.06.2013).

      Mit freundlichen Grüßen,
      Dr. Michael Mehnert

      • Nach gut zwei Monaten bequemte sich das BMBF zu einer Standardantwort, siehe hier. Es werden nur marginale Informationen geliefert begründet mit dem Schutz personenbezogener Daten. Gern verzichte ich vorerst auf die personenbezogenen Daten und stelle 20 EUR Schwärzungsgeld zur Verfügung. Mehr „Schwarzgeld“ ist nicht verfügbar, da endlagerdialog.de nicht kommerziell betrieben wird. Weiteres kann auf https://fragdenstaat.de/a/4512verfolgt werden.

  1. Und mühsam rackert sich die Qualitätssicherung
    Ein erneuter Blick auf die ENTRIA-Site zeigt gewisse Anstrengungen bei der Qualitätssicherung. So wurden einige Tippfehler beseitigt, aber THMC-Protessen steht immer noch unverändert im Text. Dieser Begriff wird auch weiterhin von der Suchfunktion nicht gefunden.

    Interessant ist die Änderung in der Darstellung der Morphologie des Gesamtprojekts: Durch farbliche Gestaltung sollen die Brüche geheilt werden. Leider fehlt die Legende, die dieses weiter verdeutlichen würde. Farblich findet sich das 1 TP nicht in ENTRIA wieder. Was bedeutet das inhaltlich? Oder ist das nur wieder ein Darstellungsfehler?

    Inhaltlich hat sich leider nichts getan. Weder gibt es Aussagen zu den widersprüchlichen Informationen über den Beirat noch irgendwelche inhaltliche Tiefen. Davon kann auch ein Gespräch mit dem niedersächsischen Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz am 17.06.2013 nicht ablenken.

  2. Es ist endlich geschafft!
    THMC-Protessen lautet jetzt THMC-Prozessen und wird durch die Suchfunktion auch aufgefunden. Gratulation!

    Als geneigter Leser möchte ich anmerken, dass es bei der Fülle der Fachbegriffe eines Glossars bedarf. Das ist wohl auch zur internen Kommunikation notwendig, da das Projekt ja multidisziplinär aufgestellt ist. Ich bezweifle, dass sich alle Projektbeteiligten etwas unter MCNP Modellierung, THM-Zweiphasenfluss, THC-Modell und THMC-Prozessen vorstellen können.

    Der ENTRIA-Auftritt ist nun bei WEB 0.1 angekommen. Doch es ist noch ein weiter Weg bis zum WEB 2.0, das seit etwa fünf Jahren Standard ist.

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