GREENPEACE schont Berlin vor Endlagerdiskussion

pkGREENPEACE-Pressekonferenz

Auf einer Pressekonferenz am 20.06.2013 präsentierte GREENPEACE eine Auswertung diverser Studien zu untersuchungswürdigen Endlagergesteinen, die im Auftrag der Bundesregierung von 1974 bis heute erstellt wurden.

13 der 16 Bundesländer sind betroffen

Danach weisen alle Bundesländer potenzielle Endlagerstandorte auf. Ausnahmen sind lediglich das Saarland, Rheinland-Pfalz und Berlin – siehe Karte. Vorgelegt wurde eine lange Liste der betroffenen Landkreise.

Die BürgerInnen und Landesparlamente

Nach dem Verständnis von GREENPEACE hätten die BürgerInnen bei einem ehrlichen Neustart der Endlagersuche  in diesen Regionen und in der Nachbarschaft zu den Zwischenlagern informiert werden müssen. GREENPEACE-Atomexperte Mathias Edler:

Nur wer die Bürger in den betroffenen Regionen schon bei der Entwicklung des Suchverfahrens einbezieht, hat die Chance, dass das Ergebnis der Suche akzeptiert wird.

Vor der Verabschiedung eines Endlagersuchgesetzes durch Bundestag und Bundesrat hätte in den Parlamenten der betroffenen Länder über die Endlagerproblematik debattiert werden müssen. Geschehen ist das bisher lediglich in Baden-Württemberg und Niedersachsen.

Nur Rahmengesetz verabschieden

schneiderDie Umweltorganisation fordert deshalb, dem Endlagersuchgesetz nicht zuzustimmen, sondern ein Rahmengesetz zu verabschieden. Darin sollte als Ziel die Suche nach einem bestmöglichen Standort benannt und eine Kommission zur Entwicklung eines fairen Verfahrens unter Einbeziehung der BürgerInnen eingesetzt werden.

Und die zuständige Fachbehörde?

Die vorgestellten Informationen sind nicht neu. Es wäre aber Aufgabe der zurzeit für die Endlagerfrage fachlich zuständige Behörde – des BfS – gewesen, diese Informationen in aufbereiteter Form parallel zu den Geheimverhandlungen seit dem 11.11.2011 zur Verfügung zu stellen. Dies ist leider nicht geschehen. Die Endlagerfrage ist allein der durch Wahlkämpfe geprägten Parteipolitik überlassen worden.

Und neuere Erkenntnisse?

Auf Nachfrage wird klargestellt, dass die vorgestellten untersuchungswürdigen Regionen eine Mindestauswahl darstellt. Neuere Erkenntnisse, die über die teilweise mehrere Jahrzehnte alten Studien hinausgehen und auch die Entwicklung im Bergbau berücksichtigen, müssen ebenfalls betrachtet werden.

Und ist Berlin wirklich außen vor?

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Ausschnitt aus GREENPEACE-Zusammenstellung

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Ausschnitt aus Karte in der BGR-Tonstudie

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Ausschnitt aus der Karte in der BfS-Austellung


 
Ein Vergleich im Detail zwischen der Zusammenstellung von GREENPEACE und der BGR-Tonstudie 2007 zeigt, dass selbst das Bundesland Berlin betroffen ist.

 
 
Offensichtlich ist das Tonvorkommen in der GREENPEACE-Darstellung nach Süden verrutscht. Mathias Edler wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in diesem Fall bewusst konservativ vorgegangen und das Tonvorkommen allein dem Kreis Potsdam-Mittelmark zugeordnet wurde.

 

Eine weitere Darstellung findet sich in der Mobilen Endlager-Ausstellung 2013 des BfS auf der Karte Untersuchungswürdige Wirtsgesteinsformationen.

Die Grenzen der einfachen Kartendarstellungen

Dieser Punkt zeigt auch die Grenzen dieser Betrachtungen. So wird nach der Langzeitrisikostudie des BfS zu Schacht Konrad die radioaktive Belastung nicht direkt am Standort Konrad auftreten, sondern gut dreißig Kilometer in nordöstlicher Richtung bei Calberlah – siehe Geologie von Konrad.

Welche Landkreise betroffen sein werden, hängt also sowohl von der Lage der Endlagergesteine als auch vom regionalen Schichtenverlauf ab. Daneben ist zu berücksichtigen, dass bei einem halbwegs richtig angelegten Endlager frühestens in einigen zehntausend Jahren mit einer Belastung des oberflächennahen Grundwassers zu rechnen ist. Die heutigen Siedlungs- und Nutzungsstrukturen werden sich bis dahin wesentlich verändert haben.

4 Gedanken zu „GREENPEACE schont Berlin vor Endlagerdiskussion

  1. Liste der betroffenen Landkreise

    Die von GREENPEACE e. V. auf der Pressekonferenz am 20.06.2013 vorgelegte Liste der

    Regionen, die für eine Endlagersuche in Frage kommen (inklusive Zwischenlagerstandorte, an denen hochradioaktive Abfälle aktuell lagern)

    wurde verfügbar gemacht. Zu beachten ist:

    • Kreisfreie Städte sind teilweise als Kreise bezeichnet.
    • Die Zwischenlagerstandorte sind – wie der Blick zum Beispiel auf Biblis und Lubmin zeigt – nicht vollständig aufgenommen.

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