Und wenn die Schachtanlage ASSE II doch absäuft?

Absaufen und Notfallplanung

entko

Es ist kein Geheimnis, sondern fester Bestandteil der Notfallplanung: Die Schachtanlage Asse II kann zu einem nicht vorhersehbaren Zeitpunkt in einer nicht abzuschätzenden Geschwindigkeit absaufen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Strategien es gibt, ein Absaufen der Grube hinauszuzögern, und wenn dies eintritt, die Auswirkungen auf die Anthroposphäre so gering wie möglich zu halten?

Rückholung machbar?

Die Rückholung mag ja eine saubere Lösung sein. Aber ist sie wirklich noch machbar? Diese Frage wird wohl bis zum Ende der Rückholung immer wieder gestellt werden, wenn nicht vorher die Grube absäuft. Diese bohrende Frage wird auch nicht durch § 57b Atomgesetz verhindert werden können.

Ein Alternativkonzept zur vollständigen Rückholung

Da ein Absaufen der Grube eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist, muss nach Ansicht von Frank Schneider eine Stabilisierung der Schachtanlage und insbesondere der Südflanke sowie eine Trennung des Einlagerungsbereichs und der restlichen Grube angestrebt werden (siehe Konzeptpapier). Wesentliche Punkte des Konzeptentwurfs sind:

  • Stützung der Südflanke durch Feinkieseinlagerung in den mit Salzgruß gefüllten Abbauen. Die Verfülllung von Firstspalten reicht nicht aus, um den Bruch der Südflanke zu verhindern.
  • Stützung der Südflanke durch sukzessiven Austausch des Salzgrußes in den Abbauen, in denen sich kein Abfall befindet, durch stützendes Material wie Salzbeton oder Feinkies. Die Verfüllung von Firstspalten reicht nicht aus, um den Bruch der Südflanke zu verhindern.
  • Schaffung von zwei Flüssigkompartimenten (Einlagerungsbereich, Restgrube), die hydraulisch getrennt und einzeln entspannt zu Tage geführt werden müssen.
  • Schaffung von Porenspeicherraum insbesondere im Einlagerungskompartiment.

Das Porenspeicherkonzept im Endlager Morsleben

Ein Porenspeicherkonzept wurde auch bei der Stilllegung des Endlagers Morsleben nach der Auflistung der Verfahrensalternativen geprüft:

Prinzipstudien zum so genannten Porenspeicherkonzept begannen im Jahre 1993, das Konzept wurde im April 1998 in den Grundzügen festgelegt. Das Porenspeicherkonzept sollte nicht dazu dienen, den Kontakt von zugeflossenen Lösungen mit den Abfällen zu verhindern, sondern den Transport kontaminierter Lösungen aus den Einlagerungsbereichen in vorbestimmten Wegsamkeiten zu verzögern. Dies sollte durch die Schaffung langer Transportwege mit großen Porenräumen (Verzögerungsstrecken) geschehen.

Wegen bestehender Realisierungsrisiken und sich abzeichnender Probleme in der Nachweisführung, wie

• homogener firstbündiger Einbau von Kies/Schotter in die Verzögerungsstrecken,

• geometrische Auslegung weiterer benötigter Auffahrungen (sogenannte Siphonbauwerke),

• nicht vollständig ausschließbare parallele Wegsamkeiten durch alte Bohrungen, Auflockerungszonen und Hauptanhydrit,

• Ausfällungen in den Siphonbauwerken und ggf. in den Verzögerungsstrecken,

• mehrfache Anpassung der Konzeptionen insbesondere für das West- und Südfeld aufgrund des wachsenden Erkenntnisstandes und

• Notwendigkeit des Auffahrens der Verzögerungsstrecken ausschließlich im Steinsalz

wurde dieses Konzept nicht weiter verfolgt.

Trotz des Mottos Transparenz und Offenheit wurden die entsprechenden Konzeptstudien bisher vom BfS leider nicht veröffentlicht. Eine ähnliche Technik soll jedoch – nach dem derzeitigen Planfeststellungsantrag (siehe Planantrag Seite 182) – zum Gasdruckausgleich zwischen West- und Südfeld durch ein mit Schotter gefülltes Großbohrloch eingesetzt werden.

Das Porenspeicherkonzept im Endlager Konrad

Erinnert sei auch an das Endlager Konrad, wo ein natürlicher Porenspeicher im Malm/Oxford zum Druckausgleich und als Verzögerungsstrecke genutzt wird. Diese Verzögerungsstrecke ist im Falle Konrad etwa 30 Kilometer lang und kommt bei Calberlah an die Erdoberfläche. Die abgeschätzte Verzögerungszeit beträgt etwa 300.000 Jahre.

11 Gedanken zu „Und wenn die Schachtanlage ASSE II doch absäuft?

  1. Hallo,

    auf der Geo Hannover 2012 habe ich einen Vortrag und ein Poster der DBE gesehen mit Titeln „Zur Anwendung von Wasserglas in salinarem Milleu“. Hier der Veranstaltungsband:

    http://www.schweizerbart.de/publications/detail/isbn/9783510492282

    Es wurde seitens der DBE nicht gesagt oder dargestellt, wozu das dienen soll. Meine Nachfrage ergab, daß die Asse damit stabilisiert werden soll. Sie ist wohl rissig und nach Auskunft von Dr. Christian Ostertag-Hennig (BGR) gibt es auch schon Abbrüche. Da die Asse nicht mehr unter Gebirgsdruck steht, heilen die Risse im Salz nicht mehr aus.

    Daher erscheint eine baldmöglichste Beräumung der Asse sinnvoll, bevor sie zusammenstürzt. Eine Beräumung ab 2033, wie bisher geplant, halte ich für nicht sinnvoll.

    Liebe Grüße

    Dr. rer. nat. Andreas Haeger

  2. Hallo,

    vor kurzem hatte ich ein persönliches Gespräch mit Dr. Rainer Österle (Hannover), der bis vor kurzem beim TÜV an der Endlagerung von Atommüll gearbeitet hat. Er teilte mir persönlich mit, daß beim TÜV „Ausbreitungsrechnungen“ durchgeführt wurden, dabei geht es um die Verbreitung von Atommüll auf der Erde!

    Er teilte mir auch mit, daß deswegen niemand in die Asse wolle, weil sie einsturzgefährdet ist.
    Nicht in die Asse zu wollen, weil sie einsturzgefährdet ist, halte ich für verantwortungslos – selbst wenn Menschen dabei sterben sollten. Das Risiko einer atomaren Verseuchung von Europa halte ich für größer.

    Das Handeln des TÜV halte ich für hochgradig unethisch. Wir benötigen keine „Ausbreitungsrechnungen“ – und wenn es so etwas gibt, halte ich es für die Pflicht der daran arbeitenden, die Öffentlichkeit sofort darüber zu informieren.

    Liebe Grüße

    Dr. rer. nat. Andreas Haeger

    • Sehr geehrter Herr Haeger,
      Sie schreiben: „Das Risiko einer atomaren Verseuchung von Europa halte ich für größer. “
      Das ist eine knackige Aussage, mit der sie mal so eben den gesamten Arbeitsschutz aushebeln. Haben Sie zu dieser Ihrer quantitativen Einschaetzung eine Quelle? Persoenlich halte ich das fuer Panikmache und ausgemachten Unfug….

      • Hallo Herr Erdinger,
        in der Gemeinde Remlingen an der Asse ist das Geschlechtsverhältnis der Neugeborenen seit 1971 signifikant erhöht (siehe Seite 57 und 58 in https://www.helmholtz-muenchen.de/fileadmin/ICB/biostatistics_pdfs/scherb/20141031_Endfassung_Gorleben_Gutachten.pdf). Ein Anstieg des Geschlechtsverhältnisses ist ein Hinweis auf schädliche Veränderungen bzw. letale Mutationen in der Erbsubstanz. Darauf hat UNSCEAR schon 1958 hingewiesen (siehe Seite 180 im UNSCEAR 1958 REPORTANNEX H: http://www.unscear.org/unscear/en/publications/1958.html). Wenn man sich nun einmal die konsistenten und großräumigen Veränderungen des Geschlechtsverhältnisses um Nuklearanlagen herum ganz allgemein anschaut (http://ag-schacht-konrad.de/images/stories/AMK2015/Genetische_Risiken_ionisierender_Strahlung.pdf), dann würde ich sagen, Ihr „Arbeitsschutz“ (im Strahlenschutz) steht auf sehr wackligen Beinen. Im Klartext: Die „atomare Verseuchung von Europa“ ist schon längst im Gange.
        Freundliche Grüße, Hagen Scherb

        • Sehr geehrter Herr Scherb,
          an der Diskussion, ob Ihre Statistiken auf einen ursächlichen Zusammenhang hinweisen, kann ich mich nicht beteiligen. Das überlasse ich Strahlenbiologen und bleibe erst einmal agnostisch. Das ist hier aber auch gar nicht die Frage.
          Es geht um die Asse. Zuerst einmal ist die Idee einer „atomare Verseuchung von Europa“ durch die Asse abwegig. Ich hatte gehofft, dass wir uns da einig sind und bin jetzt einigermaßen überrascht.
          Auch unter Einbeziehung des verschobenen Geschlechteverhältnisses kommen sie so zu keiner eindeutigen Aussage bzgl. der Asse. Haben Anhaltspunkte dafür, dass eine verschlossene Anlage da schlechter wäre als eine Rückholung? Jede bisherige Exposition kommt ja nun eindeutig NICHT aus dem Grundwasser. Wenn Sie Recht haben, wäre eine Rückholung eigentlich noch viel kritischer zu bewerten, da die bisherigen Expositionspfade dann länger offen bleiben und zu hohen Dosen führen. Wir haben leider nicht die Wahl für oder gegen die Einlagerung von Abfällen die Asse zu sein. Wir haben nur zu entscheiden, was wir jetzt damit tun.
          Und der Arbeitschutz sollte nie auf wackeligen Beinen stehen. Wenn man hunderte von Menschen über Jahrzehnte hinweg einer Dosis aussetzen will, die für die normale Bevölkerung nicht zulässig wäre, sollte man dafür schon einen Grund haben.
          Darüber hinaus finde ich Formulierungen wie“ atomare Verseuchung“ generell unglücklich. Was verseucht denn dann noch alles Europa? Und wenn alles mit „verseuchend“ tituliert wird – welchen Wert hat dieses Wort dann noch? Wenn ich für jedes Risiko immer gleich den Superlativ wähle – wie unterscheide ich dann. Das hat nichts mehr mit der notwendigen Information über ja reale Risiken zu tun….
          mfg
          P. Erdinger

  3. Hallo Herr Erdinger, stellt sich bloß die Frage, wo (verständlicher) Agnostizismus aufhört und (evtl. aggressive) Ignoranz beginnt? Hat nicht vielschichtige Ignoranz das Asse-Debakel mit verursacht? Analoge Debakel mit dem hoch radioaktiven Müll sind unschwer vorhersehbar, wenn sich die Mentalität der Akteure nicht ändert, wenn man also z.B. aus den Fehlern der Vergangenheit Nichts lernen will. In der Endlagerkommission wird interessanterweise die „Radioaktivität“ praktisch komplett ausgeblendet, so als handele es sich beim Atommüll quasi nur um normalen Bauschutt. Ich denke das ist kein gutes Omen. Dass es auch an der „Strahlenbiologie“ bzw. am „Arbeitsschutz“ ernstlich hapert, kann man an vielen Indizien festmachen, wie z.B. an dem neuen US-Amerikanischen „Low-Dose Radiation Research Act of 2015“ (https://www.congress.gov/bill/114th-congress/house-bill/35). Offenbar haben in Amerika einige Leute (einmal wieder) kapiert, dass die Niedrigdosisstrahlung bisher überhaupt noch nicht richtig erforscht ist. Freundliche Grüße, Hagen Scherb.

  4. Hallo Herr Scherb,
    Die Frage stellt sich in der Tat – wo soll man unentschlossen sein? Ich kenne weder ihre Statistiken im Detail, noch habe ich mich im Detail damit beschäftigt, was z.B. das Niedersächsisches Landesgesundheitsamt da zur Vorsicht bewegt. Beides habe ich am Rande zur Kenntnis genommen. Wie gesagt – das ist nicht mein Fachgebiet. Ich erlaube mir, keine Meinung zu haben, wenn ich etwas nicht weiß. Und das trotz evtl. befürchteter aggressiver Ignoranz. Das sollten viel mehr Leute tun. Dann vermeidet man so etwas wie die Asse. Und dann vermeidet man auch so etwas wie eine Rückholung ohne vernünftige Begründung. Und dann kann man auch vernünftige Endlagerkonzepte entwickeln. Mangelndes Wissen wird viel zu oft durch Meinung ersetzt. Wer z.B. schon weiß, dass ein Standort geeignet oder ungeeignet ist, bevor er zu Ende erkundet wurde, ersetzt Wissen durch Meinung. Mein Bauchgefühl gibt Ihnen ja zum Teil Recht – aber frei nach Carl Sagan versuche ich, nicht mit dem Bauch zu denken. Gerade bei der Endlagerung scheint das aber das von allen Seiten primär genutzte Organ zu sein.
    Allerdings hat das recht wenig mit der Diskussion in diesem thread zu tun. Hier geht es um die Rückholung der Abfälle aus der Asse und um die Behauptung, dass hier ein atomare „Verseuchung“ Europas droht. An der Endlagerkommission kann man gewiss viel kritisieren – die Endlagerung bietet seit Jahrzehnten das Spielfeld für rein politische Auseinandersetzungen. Aber bei der Asse hilft uns diese Erkenntnis nicht weiter. Hier ist immer noch nicht gezeigt worden, dass eine Rückholung weniger schädlich ist, als ein Verschluss. Es ist noch nicht einmal wirklich gezeigt worden, dass das Konzept des alten Betreibers nicht funktionieren würde. Und der eigentliche Skandal ist, dass das gar nicht für nötig gehalten wird. Und das mit der atomaren „Verseuchung“ – gar ganz Europas – ist nun mal kapitaler Humbug. Es ist ein gar nicht so feiner Grad zwischen der gerechtfertigten Warnung vor Gefahren und blinder Panikmache.
    Freundlicher Gruss! P. Erdinger

  5. Ist bei der Endlagerung Agnostizismus akzeptabel?
    Hier sind zwei Punkte zu unterscheiden: Asse II als besonderer Fall und die Endlagerung im Allgemeinen, wie sie von der Endlagerkommission eigentlich bearbeitet werden sollte.

    Bei der Asse ist wohl eindeutig, dass hier keinerlei wissenschaftsbasierte Herangehensweise zum Tragen kam. Weder vor dem 01.01.2009 noch danach. Zuerst wurden alle Probleme verheimlicht, danach die Probleme mit politisch heißer Luft aufgeblasen, ohne die im Hintergrund erarbeiteten wissenschaftlichen Betrachtungen zu würdigen und gegebenenfalls zu widerlegen. Da haben sowohl die wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde BfS als Operator als auch das Niedersächsische Umweltministerium als Regulator vollends versagt. Sie haben keinerlei rationale Herangehensweise angemahnt, sondern allein der Bundes- und Landespolitik den Weg bereitet.

    So wurde auch nicht die Frage aufgeworfen, ob das Geschlechtsverhältnis bei Neugeborenen ein Indikator darstellt, der eine schnelle Schließung der Schachtanlage – zum Beispiel nach dem Helmholtz-Verfahren – nahelegen würde. Weder der konventionelle Strahlenschutz noch die Problematik der Niedrigstrahlung spielten bisher bei der Asse eine Rolle.

    Bei der Endlagerkommission sieht es ähnlich aus. Auch hier hat inzwischen die Bundes-, Landes- und Verbandspolitik vollständig das Ruder übernommen, gestärkt durch mannigfaltige juristische Unterstützung. Ein wissenschaftsbasiertes Herangehen insbesondere auf der Grundlage des konventionellen Strahlenschutzes und unter Berücksichtigung von Unsicherheiten und Nichtwissen, die sich durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung um die Niedrigstrahlung andeuten, zeichnet sich selbst in der AG 3 nicht ab. Gerade im letzten Punkt kann man sich bei der Endlagerung nicht mit Agnostizismus zu Frieden geben. Aber wie gesagt, die Endlagerkommission hat nicht einmal die Grundsätze des konventionellen Strahlenschutzes wie Rechtfertigung, Optimierung und Dosisbegrenzung im Kopf. Ist Dosisbegrenzung bei der Endlagerung überhaupt möglich, oder muss allein die Optimierung primär durch geologische Auswahl als methodische Grundlage herangezogen werden? Und welcher Parameter ist zu optimieren? Ist es die Strahlendosis, berechnet nach den konventionellen Standards, oder sind hier Unsicherheiten aus dem Niedrigstrahlungsbereich zu berücksichtigen? Und wie könnten diese Berücksichtigung finden? Wie sieht es mit dem Schutz der Umwelt aus, wenn Verschiebungen von Geschlechterverhältnissen auch in der Biosphäre zu befürchten sind. Dann zieht zum Beispiel der Hinweis des nicht anwendbaren Individualschutzes nicht mehr.

    Hier muss eine wissenschaftsbasierte Darlegung des Begriffs „bestmöglich“ erfolgen. Bisher wird dieser Begriff lediglich von Juristen nach Atomgesetz zerpflückt, ohne Rücksicht darauf, dass es auch einen wissenschaftlichen Inhalt geben könnte.

  6. Nicht zu vergessen:
    „Die Auswertungen des Krebsregisters für das Bundesland Niedersachsen von 2002 bis 2010 hatten ergeben, dass pro Jahr etwa zwei Menschen in Asse neu an Leukämie erkranken. Im bundesweiten Vergleich ereignet sich unter 10.000 Menschen allerdings nur eine Blutkrebs-Erkrankung. Bei den Schilddrüsenkrebs-Fällen traten sogar dreimal so viele Neuerkrankungen auf, als im landesweiten Durchschnitt.“ (http://www.contratom.de/2012/12/22/keine-entwarnung-bei-krebsrisiko-durch-asse/).
    Der offizielle „Abschlussbericht“ zu dem Thema(https://waagwf.files.wordpress.com/2014/10/krebsfc3a4lle_abschlussbericht-expertenkreis.pdf) ist in seiner „Behördensprache“ und in seinem „Behördenintellekt“ mehr als dürftig und lässt, wie regelmäßig in solchen Konstellationen, praktisch alle Fragen offen. Das Problem der „sex ratio“ in Remlingen wird übrigens in diesem Bericht auch mal eben so ad Acta gelegt.
    Hagen Scherb

  7. Sehr deutlich ist, dass in der gesamten Endlagerdebatte der Schutz der Bevölkerung nicht als prioritär betrachtet wird. Die offensichtliche Hinnahme einer Verzögerung der Endlagerung um Jahrzehnte – ohne eine Abwägung gegen die Risiken einer entsprechend längeren Zwischenlagerung – ist eigentlich ein Skandal. Das Fehlen entsprechender Abwägungen für die Asse ebenfalls. Eine irrationale Diskussion führt hier letztlich zu einem Schaden für Bevölkerung und Arbeiter. Die kognitive Dissonanz, mit der auf der einen Seite ein Endlager gefürchtet wird („Verseuchung Europas“) und auf der anderen Seite zusätzliche Jahrzehnte der Zwischenlagerung hingenommen werden ist katastrophal. Bestenfalls ist das durch eine über Jahrzehnte gewachsene Diskussionsstruktur zu erklären – aber zumindest von Seiten der Verantwortlichen nicht zu entschuldigen.

  8. Hallo Herr Erdinger,
    meines Erachtens lässt sich auf der Basis einer manipulierten Strahlenbiologie und den daraus abgeleiteten falschen Strahlen-bzw. Arbeitsschutzstandards keine rationale Endlagerdebatte führen. Und genau diese Unfähigkeit kann man in den öffentlichen Endlagerkommissionssitzungen Termin für Termin und Wort für Wort nachverfolgen. Offenbar verfährt man nach der Wallensteinmethode: Dass wir nicht wissen was wir tun, gibt uns mehr Freiheit. Zur einer veränderten „sex ratio“ siehe aktuell auch: http://www.strahlentelex.de/Stx_15_682-683_S01-03.pdf.
    Freundliche Grüße
    Hagen Scherb

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