Vielleicht doch Langzeitlagerung in tiefen Bohrlöchern?

Pro_str_plEine Umgangsoption für radioaktive Abfälle

In der zweiten Sitzung der AG 3 Kriterien am 14.11.2014 stellte Herr Sailer zusammenhängend dar, welche Umgangsoptionen für radioaktive Abfälle bisher international diskutiert wurden. Herr Kleemann regte an, sich die letzten Entwicklungen bei der Endlagerung in tiefen Bohrlöchern anzusehen. Dies ist nicht verwunderlich, da er seine Dissertation im Rahmen des Kontinentalen Tiefbohrprogramms der Bundesrepublik Deutschland erstellte. Unterstützt wurde er von Herrn Brammer von der GNS. Leider gibt es von der Sitzung bisher – gute fünf Wochen danach – immer noch keine Dokumentation.

Im Entwurf des Projektstrukturplans berücksichtigt

Herr Thomauske hat diesen Punkt in seinem Entwurf eines Projektstrukturplans, den er auf der Sitzung am 12.12.2014 vorgestellt hat, an prominenter Stelle berücksichtigt. Das Ingenieur- und Architekturbüro Goebel schlägt gleich ein Projekt mit Abwärmenutzung vor.

AkEnd-Diskussion

Diese Alternative zur Langzeitlagerung nach dem Bergwerkskonzept hat bereits der AkEnd diskutiert und kommt zu dem Schluss:

    Für konditionierte, feste radioaktive Abfälle kommen als konkrete Optionen nur die EndlagerungAkEnd_Abb_2.1 in tiefen Bohrlöchern, in Salzkavernen oder in Bergwerken in Betracht (siehe Abbildung 2.1). Der Nachteil von tiefen Bohrlöchern und Kavernen ist, dass sie nicht zugänglich sind und nur von über Tage mit Abfällen befüllt werden können. Dadurch wird die Einlagerung unter kontrollierten Bedingungen erheblich erschwert, wenn nicht praktisch unmöglich.

Bohrlochdiskussion nach Ende 2002

Die Lagerung in tiefen Bohrlöchern wird immer wieder betrachtet, siehe zum Beispiel:

Oder auch Kavernen?

Für andere Lageranwendungen sind zum Beispiel Kavernen in weitem Gebrauch, so Herr Kosinowski, Vizepräsident der BGR, auf der von BMU und BfS boykottierten Tagung Endlagerung radioaktiver Abfälle in Deutschland – Gesamtstaatliche Verantwortung für die Zukunft im Jahr 2003:

Um Ihnen eine Größenordnung zu geben: es gibt zurzeit 140 Kavernen in Norddeutschland, hauptsächlich in Niedersachsen und in Sachsen-Anhalt, 140 Kavernen, in denen 8 Mrd. m³ Erdgas gespeichert werden. Weitere rund 50 Anlagen sind im Bau oder in Planung mit nochmals 5 Mrd. m³ Volumen. Außer Erdgas, welches heute der wichtigste Rohstoff ist, den man in solchen Salzkavernen speichert, werden auch Erdöl, Rohöl und andere Ölprodukte sowie Druckluft untertage gespeichert.

Die Kavernenanlage Etzel machte im November 2013 Schlagzeilen, weil sich dort ein Ölunfall ereignete.

Alternativen zum Bergwerkskonzept erlauben größere Tiefen

Sicher ist es sinnvoll, bei Alternativen zum Bergwerkskonzept sich den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik anzusehen. Gerade in Bereichen, die für kommerzielle Nutzungen interessant sind, ist die Entwicklungsdynamik oft rasant. Sinnvoll ist dies, weil durch die Festlegung auf das Bergwerkskonzept die Lagertiefe beschränkt ist. So kommt der AkEnd zu der Mindestanforderung (Seite 97):

Das Endlagerbergwerk darf nicht tiefer als 1.500 m liegen.

Bei größeren Tiefen sind unter Umständen bessere geologische Gesamtsituationen auffindbar, so Salz mit einer mächtigen Tonschicht darüber – siehe auch Beitrag Am Anfang wird die ganze Republik gescannt…

Flache Salzlagerung mit Tonschicht darüber, aber Wärmeeintrag nicht vergessen

Da stellt sich eine flache Salzlagerung unter Umständen als sehr gut dar. Hier sind aber der hohe Wärmeeintrag und die dadurch angeregte Halokinese abzuschätzen, in deren Verlauf die Tonschicht unter Umständen verletzt werden könnte. Siehe auch Arens: Sicherheitskriterien – Fangen wir mit dem Konsens des AkEnd wieder an? (Loccum 2012).

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