Statuskonferenz Endlagerung: Ideen zum Programm

Ankündigung der Statuskonferenz Endlagerung

Das BfE kündigt schon seit geraumer Zeit die Statuskonferenz Endlagerung an. Jetzt kann man sich sogar schon anmelden. Was jedoch fehlt, ist ein Programm, nicht einmal eine grobe Struktur ist bekannt, wie es bei wissenschaftlichen Konferenzen üblich ist. So gibt es keine Liste von Topics und auch keinen Call for Papers.

BfE zum Inhalt

Im Konzeptentwurf Öffentlichkeitsbeteiligung in der Startphase des BfE findet man unter 6.1 Regelmäßig gemeinsam diskutieren und evaluieren: Statuskonferenz Endlagerung folgende Themen

  • der Stand und die aktuellen Herausforderungen im Standortauswahlverfahren für das Endlager für hochradioaktive Abfälle,
  • übergreifende wissenschaftliche, technische und gesellschaftliche Herausforderungen sowie
  • der Erfahrungsstand der Endlagerprojekte Konrad und Morsleben sowie der Schachtanlage Asse II.

Vorschläge der Endlagerkommission

Eine andere Fundstelle ist der Abschlussbericht der Endlagerkommission. Die Kommission hat sich für ein jährliche Kolloquiumsreihe ausgesprochen (Abschlussbericht der Endlagerkommission, Kapitel B 6.4.4, Seite 280):

Für die im Rahmen der Standortauswahl anfallenden Erkenntnisse muss eine wissenschaftliche Öffentlichkeit geschaffen werden, so dass der innerwissenschaftliche Prozess der gegenseitigen Kritik und der dadurch ermöglichten Selbstkorrektur voreiliger Schlussfolgerungen in Gang gesetzt wird. Für diesen fachlichen Austausch ist eine jährliche Kolloquiumsreihe zu etablieren, die auch darauf ausgerichtet ist, die Meinungsvielfalt abzubilden und die fachliche Auseinandersetzung zu fördern. Die jährlichen Dokumentationen der Tagungen stellen im Laufe der Zeit einen Informationsfundus dar, der zur kritischen Reflexion beiträgt. Neben den genannten Tagungsbänden trägt eine Schriftenreihe mit periodischen Fachberichten zum Wissenserhalt und –transfer bei.

Um hierbei eine Meinungsvielfalt zu ermöglichen, hätte ein rechtzeitiger Call for Papers stattfinden müssen. Dies ist leider versäumt worden.

Endlagerung in tiefen Bohrlöchern

Die Endlagerkommission hat ebenfalls empfohlen, Vorhaben in größeren Tiefen weiterhin zu verfolgen. Sie hat die Endlagerung in tiefen Bohrlöchern diskutiert und  sich dafür ausgesprochen, die Entwicklungen auf diesem Gebiet zu beobachten (Abschlussbericht, B-5.4.3, S. 196-200) – siehe auch Beitrag Vielleicht doch Langzeitlagerung in tiefen Bohrlöchern?. Bei der GRS gibt es dazu Aktivitäten – siehe GRS Fachgespräch: Redundanz und Diversität. In der Fachzeitschrift atw ist dazu ein Artikel erschienen, ein Mitautor ist inzwischen Leiter des Fachgebiets FA 2 im BfE.

Herr Buser führt dazu aus, dass Minen bis 4 km Tiefe geplant und betrieben werden (tiefste Minen). Maschinen zur Herstellung von Blindschächten in bis zu 2000 m werden bereits angeboten (HERRENKNECHT).

Transmutation

Wie wichtig der Bereich Forschung für die Glaubwürdigkeit des Suchverfahrens werden kann, wurde bei einer Diskussionsveranstaltung klar. Darin wurde massiv Forschung zur Transmutation gefordert und damit weiteragiert, obwohl klar gemacht wurde, dass Deutschland aus diversen Gründen dazu keine großen Anstrengungen entwickeln wird, siehe Abschlussbericht der Endlagerkommission Kapitel B 5.4.2, Seite 193ff. Jedoch wird dazu im Rahmen der EURATOM geforscht, und damit auch mit deutschen Steuergeldern. Die Fachgebiete FA 1 und FA 2 des BfE sollten deshalb die Transmutationsforschung im Ausland intensiv verfolgen und die Argumentation der Endlagerkommission auf aktuellem Stand halten.

Format der Rede und Gegenrede

Für zumindest die Themen Tiefe Bohrlöcher und Transmutation bietet sich das Format Rede und Gegenrede an, wie es bis Mitte der 1980er Jahre im Endlagerbereich durchaus üblich war – siehe zum Beispiel zu Gorleben Referat von Jaritz und Koreferat von Appel. Man gewinnt den Eindruck, dass dieses Format durch Mediation verdrängt wurde. Mediation ist aber wenig geeignet, um insbesondere fachliche Kontroversen herauszuarbeiten. Sie wird oft zu früh eingesetzt und versucht zu befrieden, bevor die unterschiedlichen Positionen klar dargestellt wurden.

Weitere Themen aus der aktuellen Arbeit

Vom BfE wurden bisher fünf Projekte in Auftrag gegeben – siehe Auftragsvergabe. Hier kann erwartet werden, dass über die Gründe der Vergabe berichtet wird. Welche Erkenntnisse gab es bereits dazu und welche konkreten Forschungslücken führten zur Beauftragung der Projekte und welche Zwischenergebnisse liegen inzwischen vor – siehe zum Beispiel hier?

Doch die einschlägigen Projekte beschränken sich nicht auf das BfE. Was ist mit dem Projekt RESUS, das von der BGE bei der BGR in Auftrag gegeben wurde. Ist dieses als Ergänzung oder Neuauflage von VerSi zu sehen? Auch weitere BGR-Projekte zur Tiefenlagerung sind unter die Lupe zu nehmen – siehe zum Beispiel hier.

Diese Reihe ließe sich lange fortsetzen. Um hier einen Überblick zu erlangen, sollte das BfE alle einschlägigen Projekte in einer Datenbank sammeln. Nur so kann Transparenz erreicht werden.

Arbeiten an Verordnungen und weiteren untergesetzlichen Regelwerken

Auch von den zurzeit konkret laufenden Arbeiten an Verordnungen zu den Sicherheitsanforderungen (§ 26 StandAG) und zu den Sicherheitsuntersuchungen (§ 27 StandAG) sind offenzulegen. Daneben ist von den schon seit Jahren vor sich herdümpelnden Diskussionen um die Dosisabschätzung bei der Endlagerung zu berichten – siehe hier.

Erfahrungsstand der Endlagerprojekte in Deutschland

Es biete sich an, eingehend über die Abdichtbauwerke im Endlager Morsleben zu berichten. Wie kann es sein, dass Bauwerkseigenschaften als Grundlagen in die Langzeitrisikobetrachtungen eingegangen sind und sich diese Bauwerke als nicht herstellbar erwiesen. Auf welchen Erkenntnissen basierte der Planfeststellungsantrag und wie ist zu erklären, dass entsprechende Versuche scheiterten? Ist es vor diesem Hintergrund vertretbar, nach einem gelungenen in situ-Versuch, das Konzept als machbar anzunehmen? Müssen nicht zehn oder mehr Versuche gemacht werden, um statistisch gesicherte Erkenntnisse zu erhalten?

Partizipation erfordert Transdisziplinarität oder zumindest Allgemeinverständlichkeit

Das Verfahren zur Standortsuche soll nach § 1 Abs. 2 StandAG partizipativ sein. Das bedeutet nach den Forschungsergebnissen von ENTRIA, dass bei den Projekten die Transdisziplinarität eine erhebliche Rolle spielen  sollte. Zumindest sind die Projekte so darzustellen, dass sie von interessierten Laien verstanden werden. Leider findet sich dazu keine Regelung in den öffentlich zugänglichen Ausschreibungstexten zu einschlägigen Projekten. Bei der Statuskonferenz sollte das eine wesentliche Rolle spielen. Das ist auch schon vom BfE formuliert. Im Konzeptentwurf Öffentlichkeitsbeteiligung in der Startphase werden unter Zielgruppen aufgelistet

  • die engagierte Öffentlichkeit sowie
  • Wissenschaft und Forschung.

Wissenschaft und Politik

Alle Institutionen die mit der Lagerung radioaktiver Abfälle befasst sind wie BGZ, BGE, BfE und indirekt über das UBA das NBG unterstehen allein dem Bundesumweltministerium. Das Umweltministerium sieht sich aber nicht dem im StandAG festgelegten Grundsatz der Transparenz verpflichtet. So werden der gesamte Schriftwechsel und alle Besprechungsprotokolle mit den oben genannten Institutionen geheim gehalten. Insofern ist eine Wiederauflage einer Veranstaltung Wissenschaft und Politik, wie sie am 27.03.2003 am BfS stattfand, mehr als angebracht. Die Auseinandersetzung mit den damaligen Fragestellungen

  • Welche gesellschaftspolitische Verantwortung hat eine wissenschaftlich arbeitende Behörde?
  • Ist wissenschaftliche Forschung von politischen Ereignissen beeinflusst?
  • Was heißt es für das BfS, die politische (demokratisch legitimierte) Entscheidungen loyal mitzutragen?
  • Wie geht das BfS mit den zeitlich verändernden politischen Einflüssen bei der Bewertung und dem Management von Risiken um?
  • Inwiefern sind die jeweiligen konkreten fachlichen Aufgaben des BfS auch politisch ausgerichtet? Wie vereinbart sich das mit dem Begriff „selbständige Oberbehörde im Geschäftsbereich des BMU“?
  • Ist die klare Trennung zwischen fachlicher Arbeit und politischen Entscheidungsprozessen im BMU möglich?
  • Wie gelingt es dem BfS, Möglichkeiten und Grenzen der Wissenschaft sowie vorausschauend Probleme und Handlungsbedarf aufzuzeigen?

ist heute bei der strengen Fokussierung auf das BMU vor dem Hintergrund eines partizipativen, wissenschaftsbasierten, transparenten, selbsthinterfragenden und lernenden Verfahrens wichtiger denn je.

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