Endlagerung – Mehrgenerationenaufgabe?

Altersdurchschnitt 60+

Am 10.04.2019 startete die Veranstaltungsreihe Der Atomkonflikt in Deutschland – bis in alle Ewigkeit? im Rahmen des Offenen Hörsaals an der FU Berlin. Der Veranstaltungsraum war bis auf den letzten Platz besetzt, es mussten weitere Sitzgelegenheit aus dem Nachbarraum geholt werden. Insgesamt waren es gut 100 ZuhörerInnen. Erstaunlich war nicht nur die Anzahl der Interessenten, sondern auch das Alter: Der Altersdurchschnitt lag bei 60+. Man kann also nicht von einem Mehrgenerationeninteresse sprechen, wohl aber wegen der Dauer des Endlagerprozesses von einer Mehrgenerationenaufgabe.

Mehr Vorträge als Diskussion

Angekündigt war eine Diskussionsveranstaltung, schließlich dominierten doch die Vorträge. Die Vortragenden waren Frau Schwarzelühr-Sutter, BMU-Staatssekretärin, Herr Güldner, Deutsches Atomforum, und Herr Fachtan, Nationales Begleitgremium. Moderiert wurde die Veranstaltung von Herrn Brunnengräber, Forschungszentrum für Umweltpolitik. Frau Schwarzelühr-Sutter betonte immer wieder den gesellschaftlichen Konsens, obwohl es maximal ein Konsens der im Bundestag vertretenen Parteien war.

Gorleben technisch geeignet

Herr Güldner vergaß zu erwähnen, dass die Erkundung allein am Standort Gorleben gegen jede wissenschaftliche Erkenntnislogik verstieß. Die bei dieser Problemlage übliche komparative Herangehensweise scheint ihm vollkommen fremd zu sein. Die Umsetzung der Vorschläge des AkEnd, der ein Konzept entwickelte, diesen Fehler zu korrigieren, wurde von den EVUs mithilfe der CDU/CSU blockiert. Da hilft auch nichts, wenn immer wieder betont wird, dass Gorleben technisch geeignet sei. Was heißt das? Die Endlagerung ist kein technisches Problem, denn Techniker können von Hause aus nicht in so weiten Zeiträumen denken, wie die radioaktiven Abfälle zum Abklingen benötigen. Es gibt gravierende Unterschiede zwischen technischen und wissenschaftlichen Methoden.

Akzeptanz und Schweden

Herr Güldner geht davon aus, dass ein Problem darin besteht, Akzeptanz für den nach StandAG gefundenen Standort zu finden. Er bemerkte aber, dass Schweden zeigt, dass dies gelingen kann. Leider wurde verschwiegen, dass der erste Suchprozess auch in Schweden scheiterte. Erst als die Nuclear Communities aufgefordert wurden, sich einzubringen, deutete sich eine Lösung an.

Faires Verfahren sollte Akzeptanz finden

Herr Fachtan hatte mit einem jungen Publikum gerechnet und konnte sich sichtlich schwer auf die wirklichen Gegebenheiten einstellen. Prompt korrigierte er aber die Ausführungen von Herrn Güldner: Das Auswahlverfahren nach StandAG selbst muss in der Gesellschaft als faires Verfahren empfunden werden. Das Ergebnis dieses Verfahrens sollte dann gute Chancen haben, akzeptiert zu werden.

Das Abkippen der Fässer in der Asse

Herr Fachtan sprach auch von prägenden Bildern, wie das Abkippen von Fässern mit schwachradioaktiven Abfällen in der Asse. Es müsse in Zukunft besser eingelagert werden als damals! Doch war die Abkippmethode nicht besser als das zeitaufwendige Stapeln, das zu einer entsprechend höheren Strahlenbelastung des Betriebspersonals geführt hätte? Die Fässer als Transportbehälter waren offensichtlich dafür geeignet. Eine Rückholung oder Bergung war nicht geplant. Auch für das Endlager Konrad ist dies nicht vorgesehen, wenn der Einlagerungsbetrieb im Jahr 2027 aufgenommen wird.

Wenig Kenntnis

Wie wenig wirkliche Kenntnis gesellschaftlich vorhanden ist, zeigten eine Frage aus dem Publikum und erst recht die Antwort: Man kenne ja das Problem der radioaktiven Abfälle, die geologischen Daten seien bekannt, was soll in den zwölf Jahren bis 2031 – der Festlegung des Endlagerstandorts – denn passieren?

Genehmigungsverfahren?

Seitens des BMU wurde ausgeführt, dass schon das Genehmigungsverfahren aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen diesen langen Zeitraum notwendig mache. Doch das Genehmigungsverfahren nach § 9b Absatz 1a AtG für die Errichtung, den Betrieb und die Stilllegung des Endlagers folgt nach der Standortentscheidung nach § 20 StandAG und damit wohl nach 2031.
Es stellt sich wirklich die Frage, weshalb die Erstellung der Kristallinstudie 1994,
der Salzstudie 1995 und der Tonstudie 2007 nur etwa drei Jahre dauerte? Sind es die über- und untertägigen Erkundungen oder die Öffentlichkeitsbeteiligung, die den Zeitbedarf von zwölf Jahren erfordern?

Fortsetzung der Veranstaltungsreihe

Die Veranstaltungsreihe wird am 17.04.2019 mit dem Thema Nukleare Hinterlassenschaften – Risiken und Unsicherheiten für die Ewigkeit fortgesetzt.

Ein Gedanke zu „Endlagerung – Mehrgenerationenaufgabe?

  1. Über die ikonografische Bedeutung eines Bildes, das jeder kennt

    Zum Absatz Das Abkippen der Fässer in der Asse sei hingewiesen auf das interaktive Bild in den BGE-Einblicken – siehe hier.

    Leider fehlt die fachliche Erläuterung, warum man davon ausgehen konnte, dass die Fässer das Abkippen ohne Leckage überstehen und so eine Freisetzung radioaktiver Stäube ausgeschlossen werden konnte.

    Wo ist das Originalpapier zur technischen Abschätzung der Leckagewahrscheinlichkeit? Ein entsprechender IFG-Antrag wurde von endlagerdialog.de gestellt.

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