„Deutschland ist gesegnet mit einer guten Geologie“

Titelseite Lehrerinformation Tonbergbau

Die BGE allgemein zur Geologie in Deutschland

Seitens der BGE wird die Geologie in Deutschland für die Möglichkeit der Endlagerung positiv eingeschätzt. So wird Herr Kanitz im Beitrag des MDR über die BfE-Werbeveranstaltung in Magdeburg wie folgt zitiert:

Deutschland ist gesegnet mit einer guten Geologie.

Auf jeden Fall ist die Geologie in Deutschland sehr vielfältig, die geologische Karte von Deutschland ist nicht weiß, sondern bunt. Bunter könnte sie nicht sein. Anzumerken ist noch, dass die üblichen geologischen Karten – zum Beispiel von Rheinland-Pfalz – nur Aussagen zum oberflächennahen Zustand des Untergrundes liefern. Bei der Endlagerstandortauswahl spielen aber die 3D-Darstellungen bis 1500 m Tiefe eine Rolle.

Tonlagerstätten im Westerwald

Die Deutsche Ton- und Tonmineralgruppe (DTTG) mit 100 Mitgliedern steht vor dem Problem der Sicherung des Nachwuchses. Eine Idee ist eine offene Exkursion für Studenten geowissenschaftlicher Disziplinen, die vorzugweise in dem bekannten Lagerstättengebiet des Westerwaldes stattfinden könnte.

Lehrerinformation Tonbergbau – erosionsgeschützter Ton im Westerwald

Als Nichtgeologe kommt man dabei ins Stutzen. Tonlagerstätten könnten ja durchaus für die Endlagerung radioaktiver Abfälle geeignet sein, und das im Westerwald? Dazu steht in der Tonstudie nichts. Nach kurzer Suche im Internet landet man bei der Lehrerinformation Tonbergbau – Westerwälder Tonkiste. Und auf Seite 9 wird es richtig spannend (Fettformatierung durch endlagerdialog.de):

Vor ca.65 Millionen Jahren begannen diese Gesteinsschichten an der Oberfläche zu verwittern und Minerale wie Feldspat und Glimmer wandelten sich in Tonminerale um. Im sogenannten Tertiär (65 – 2,5 Millionen Jahre) herrschte nämlich im Westerwald ein feuchtwarmes, tropisches Klima…

Während zweier Ausbruchsphasen vor rund 20 Millionen Jahren sowie vor 5 Millionen Jahren trat an vielen Stellen flüssiges Magma aus dem Erdinneren als Lava an der Oberfläche aus.

Die größte Menge ist als Basalt erstarrt. Durch chemische
Veränderungen im Magma entstanden auch andere Gesteine
wie Trachyt oder Phonolith ( wie z.B. der Malberg
bei Moschheim).

Teilweise ergoss sich die Lava über die Tonlagerstätten und schützte sie so bis zum heutigen Abbau vor Erosion (Abtragung durch Wasser und Wind). Ton und Braunkohle wurden durch Tuff (Vulkanasche) und Basalt wie in einer Schatzkiste verschlossen, wo sie viele Millionen Jahre lagerten, um dann in unserer Zeit abgebaut und weiterverarbeitet zu werden. Daher spricht man auch von sog. Bodenschätzen.

Es gibt im Westerwald offensichtlich Tonlagerstätten, die erosionsgeschützt sind – also eine gute Geologie. Sollte man bei der Endlagersuche – statt einseitig auf Vorkommen einer einzigen geeigneten Gesteinsart abzuzielen – nicht eher die Kombination von Gesteinen ins Auge nehmen? Dann könnte auch das Sicherheitsprinzip Diversität bei den geologischen Barrieren erfüllt werden.

Im Westerwald keine Bohrung tiefer 300 m

Wie gesagt – in der Tonstudie steht zum Westerwald kein Wort. In Abbildung 3.1 auf Seite 10 ist im Westerwald keine einzige Bohrung tiefer als 300 m verzeichnet.

Tonstudie der BGR, Abb. 3.1 auf Seite 10

In Mittelgebirgsregionen keine Daten über den tieferen Untergrund

Hier trifft offensichtlich die Aussage der BGR in K-MAT 11 auf Seite 2 zu (Fettformatierung durch endlagerdialog.de) :

Die Belegdichte mit Untergrunddaten ist sehr stark nutzungsorientiert und konzentriert sich auf die tiefen geologischen Becken wie das Norddeutsche Becken, das Thüringer Becken, den Oberrheingraben und das Alpenvorland (Anhang A6) sowie klassische Bergbauregionen (z. B. Steinkohle- und Salzbergbau). Aufgrund der Explorations- und Produktionstätigkeiten der Industrie liegen in diesen Gebieten umfassende Informationen vor (Anhang A7 und A8), jedoch häufig nur für räumlich eng begrenzte Teilbereiche. An anderen Stellen fehlt diese Art von Daten zum tieferen Untergrund weitgehend, beispielsweise in den Mittelgebirgsregionen. Für die Gebiete außerhalb der tiefen Sedimentbecken (weiße/rote Gebiete in Anhang A6) basieren daher die Kenntnisse insbesondere auf geologischen Kartierungsarbeiten und flacheren Bohrungen.

BfE-Werbeveranstaltung in Mainz?

Diese Problematik könnte bei der BfE-Werbeveranstaltung in Mainz ein interessanter Aspekt sein. Jedoch sind auf den bisherigen Veranstaltungen keine landesbezogene Aussagen gemacht worden. Außerdem gibt es bisher keinen Termin für eine solche Veranstaltung in Rheinland-Pfalz. Das BfE informierte zur Endlagersuche in Mainz zuletzt im Oktober 2017.

Aussagen zum Westerwald im Teilgebietsbericht?

Man kann gespannt sein auf die Ausführungen der BGE zum Westerwald im Teilgebietsbericht nach § 13 StandAG, in dem im Wesentlichen drei Aussagen zu machen sind:

  1. Teilgebiete, die sich auf Basis der Abwägung als günstig erweisen,
  2. Gebiete, die aufgrund nicht hinreichender geologischer Daten nicht eingeordnet werden können, und
  3. Empfehlung zum weiteren Umgang mit diesen Gebieten.

Sind die Tonlagerstätten im Westerwald nicht mächtig genug? Liegen sie zu nahe an der Oberfläche? Liegt hier weitgehend plastischer Ton vor, der nicht wie Tonstein für das Anlegen eines Endlagerbergwerks geeignet ist? Können im Westerwald in der Tiefe von 300 bis 1500 m Ton-, Salz- und Kristallinvorkommen mit ausreichenden Mächtigkeiten ausgeschlossen werden, wenn keine Bohrdaten vorliegen?

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