Werbeveranstaltung des BfE in Potsdam

BfE-Infoveranstaltung Endlager gesucht in Potsdam

Am 13.06.2019 bot das BfE in Potsdam die Infoveranstaltung Endlager gesucht an. Es kamen knapp 30 interessierte BürgerInnen aus Brandenburg und Berlin. Gut noch einmal so viel waren ZuhörerInnen, die damit beruflich zu tun haben und im Wesentlichen beim BfE oder der BGE arbeiten.

Wurden die Rollen transparent abgegrenzt?

endlagerdialog.de hat zu der Veranstaltungsreihe bereits den Beitrag Werden die Rollen transparent abgegrenzt? geschrieben. Die Abgrenzung der Rollen der Beteiligten wurde nur formal benannt. Die Konflikte zwischen dem Operator BGE und dem Regulator BfE, die schließlich zum BfE-Verbot der Veröffentlichung von Ausschlussgebieten führte, wurde nicht benannt. Allein die NBG-Vertreterin kritisierte die Öffentlichkeitsarbeit und -beteiligung des BfE mit den Worten, da ist noch viel Luft nach oben. Das BMU als der wesentliche Drahtzieher war nicht vertreten. Die landesgeologischen Dienste von Brandenburg und Berlin waren ebnfalls nicht vertreten. Die Doppelrolle des BfE als Regulator und als Träger der Öffenlichkeitsbeteiligung wurde allein vom Präsidenten vertreten. Zwischen diesen beiden durchaus kontroversen Rollen gab es – getragen von dieser Personalunion – keinerlei Abgrenzung.

Video Endlagersuche in fünf Minuten erklärt

Es wurde das Video Endlagersuche in fünf Minuten erklärt eingespielt, wo nicht einmal die mehrfach kritisierte Stelle bei 1:54 Ausschluss und Auswahl der Regionen, können Bürgerinnen und Bürger von Anfang an im Internet mitverfolgen. korrigiert wurde. Schließlich hat das BfE durch Verbot dafür gesorgt, dass dies erst ab der Veröffentlichung des Teilgebieteberichts nach § 13 StandAG voraussichtlich möglich sein wird. Auch zum Beispiel bei 1:50 wird falsch informiert mit Eine 100 Meter starke Schicht aus Granit, Salz oder Ton muss es umgeben. Dies gilt zwar für Salz und Ton (Nicht exakt, hier muss die Mächtigkeit 100 m betragen. Über den Abstand zwischen Einlagerung und einschlusswirksamer Gesteinsgrenze ist nichts festgelegt.), aber nicht für Granit – oder besser Kristallin. Hier wird der Fehler in § 21 Abs. 2 StandAG reproduziert, der für die Standortsicherung gilt, aber für die Standortauswahl aber keine Bedeutung hat.

Richtigkeit der Informationen spielte keine große Rolle

Es war eine typische Werbeveranstaltung, wo die Richtigkeit der Informationen keine große Rolle spielt. Vorgetragen wurde, dass das komparative Auswahlverfahren einmalig wäre. Aber die Schweiz führt genau solch ein Verfahren seit Jahren durch. Weiterhin wurde diese Methodik bereits in den 1970er Jahren von der KEWA in Deutschland durchgeführt. Beim Übergang der Zuständigkeit in staatliche Hände wurde dieses wissenschaftlich gebotene und durch die Strahlenschutzgrundsätze notwendige Verfahren durch Politik ersetzt. Weiterhin waren an der Endlagerkommission nicht zwei, sondern nur eine NGO beteiligt. Die Endlagerkommission war nicht nur beauftragt, das StandAG von 2013 zu hinterfragen, sondern hatte die weitreichende Aufgabe, die Kriterien für die Auswahl zu entwickeln. Diese wurden im Wesentlichen dann aus der Empfehlung des AkEnd aus dem Jahr 2002 kopiert. Weiterhin wurde vorgetragen, dass es einmalig sei, dass die Daten aus allen Bundesländern zusammengetragen werden. Das ist eine Falschdarstellung, denn die BGR hat dies zum Beispiel zur Erstellung der Salz-, Kristallin- und Tonstudie ebenfalls getan. Die zusammengetragenen Daten wurden auch an die Entscheidungsträger weitergeleitet – siehe IFG-Antrag 34936 zu den 3 Kästen zur Salzstudie 1995.

Frage zur politischen Einflussnahme

Die Frage zur möglichen politischen Einflussnahme wurde gesetzeskonform beantwortet. Es werden im Verfahren auch politische Entscheidungen getroffen, aber diese seien dann nachvollziehbar. Hier wurde der Widerspruch im Gesetz zwischen wissenschaftsbasiertem Verfahren und ungebundenen politischen Entscheidungen nicht problematisiert – siehe auch Infomail Standortsuche 005 von .ausgestrahlt. zur Veranstaltung in Schwerin. Warum wird hier nicht das Verfahren angewendet, wie es in ähnlichen Entscheidungsprozessen üblich ist – wie zum Beispiel bei der Berufung von ProfessorInnen über eine Dreierliste?

Geologie-Daten den BürgerInnen vermitteln

Die BGE lässt daran arbeiten, wie bereits öffentlich zugängliche Geodaten den BürgerInnen ohne Fachkenntnis verständlich vermittelt werden können – siehe auch Beitrag NBG: Die Wiederentdeckung der 3D-Modelle der Bundesländer. Ein direktes Angebot zum Zugriff unter Anleitung einer Fachperson vor Ort in Potsdam an einem einfachen Laptop wurde leider nicht angeboten. Hoffentlich schafft es die BGE, noch vor der Veröffentlichung des Teilgebieteberichts, dieses Angebot zu machen. Wird das BfE dieses Informationsangebot wieder verbieten wie die Veröffentlichung der Ausschlussgebiete?

Erhöhung der Reichweite?

Durch Antworten auf Fragen wurde deutlich, dass das BfE kein wirklich tragfähiges Konzept hat, die Reichweite für die Endlagersuche und damit auch für ihre eher schlecht besuchten Bürger-Veranstaltungen zu vergrößern. Ein Twitter- und Facebook-Account ist zwar nach jahrelanger Tätigkeit des BfE jetzt angeblich in Entwicklung, aber ein Startzeitpunkt wurde nicht genannt. Man setzt immer noch auf die alten Konzepte wie Newsletter und vereinzelt auf RSS-Feed. Wie man all diese Elemente automatisch im Sinne der crossmedialen Kommunikation verbinden kann, scheint beim BfE noch nicht angekommen zu sein. Behindert die Regulierungsrolle des BfE hier die Beteiligungsrolle des BfE, existieren interne Verbote?

Stopp des Auswahlverfahrens wegen Intransparenz?

Die konkret Frage, ob bei einer nicht öffentlichen Verfügbarkeit der genutzten Geologie-Daten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Teilgebieteberichts die Regulierungsbehörde das Suchverfahren stoppen werde, wurde nicht konkret beantwortet. Das BfE würde sich an solchen Spekulationen nicht beteiligen. Offensichtlich ist dieses Problem mit dem BMU noch nicht abgestimmt.

1 Mio. Jahre richtig dargestellt

Hervorzuheben ist die fast einmalig richtige Darstellung des Nachweiszeitraums von 1 Mio. Jahre durch das BfE. Es handelt sich nicht um die Zeit, bis zu der die Radioaktivität der Abfälle auf ein akzeptables Maß abgeklungen ist, sondern um die Einschätzung von GeologInnen, welcher Prognosezeitraum auf der Grundlage der Dynamik der geologischen Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland wissenschaftlich noch zu verantworten ist.

3 Gedanken zu „Werbeveranstaltung des BfE in Potsdam

  1. Die Wendung „wissenschaftlich noch zu verantworten“ hat den gleichen nichtssagenden Gehalt, hört sich nur etwas besser an, wie etwa die Aussage „unwissenschaftlich noch zu erhoffen“. Wir wissen nicht einmal, was heute noch geschehen wird: siehe z.B. Fukushima. Solches Denken, wie ‚bestmögliche Sicherheit‘ usw., macht Wissenschaft zum Feigenblatt für Rat- und Hilflosigkeit. Leider gibt es zu viele Wissenschaftler, die sich dafür gerne missbrauchen lassen; was sollten sie sonst machen, wenn sie mental und existentiell davon abhängen? Und es gibt zu viele Wissenschaftler UND Nicht-Wissenschaftler mit Ehrfurcht vor der Wissenschaft; eine schöne aktuelle Darstellung analoger Probleme bzw. mit Kritik an ‚zehntausend‘ falschen/sinnlosen exakten wissenschaftlichen Publikationen hier: https://www.youtube.com/watch?v=99hVAu1k6G8. Conclusio? Totalversagen von Gesellschaft, Wissenschaft, Politik in entscheidenden Menschheitsfragen.

  2. Die Stagnation der Theoretischen Physik und die Geowissenschaften in der Endlagerfrage

    Vielen Dank für den Hinweis auf den Vortrag von Sabine Hossenfelder. Ich wollte schon vor längerer Zeit ihr Buch Das hässliche Universum lesen, aber vor lauter Endlager-Literatur bin ich noch nicht dazugekommen.
    Einige Punkte aus dem Vortrag, der im Wesentlichen versucht, die Entwicklungen in der Theoretischen Physik zu analysieren:

    Organisation von Forschung (53:31):
    Die derzeitige Organisation akademischer Forschung belohnt Wissenschaftler, wenn sie an Themen arbeiten, die produktiv und beliebt sind.

    Sorgfältige Methoden und vorsichtige Schlussfolgerungen sind weder produktiv noch beliebt.

    Derzeitiger Entwicklungsstand (54:57):
    Die Wissenschaft hat sich verändert:
    – Mehr Wissenschaftler
    – Engerer Kontakt
    – Kürzere Verträge
    – Mehr Öffentlichkeitskontakt

    Notwendige Reflexion (57:12):
    Die Begutachtung wissenschaftlicher Hypothesen braucht Objektivität.

    Dazu müssen Wissenschaftler berücksichtigen, wie ihre Mitgliedschaft in einer Gruppe die Objektivität beeinträchtigen kann.

    Schluss (57:33):
    Die Verwendung von Schönheitskriterien zur Auswahl von wissenschaftlichen Hypothesen ist schlechte Methodik.

    Solch schlechte Methodik kann akzeptierte Norm werden, wenn viele Wissenschaftler sich gegenseitig versichern, dass sie das Richtige tun.

    Nun ist die Physik in einem anderen Entwicklungsstand als die Geowissenschaften, die in der Endlagerfrage eine wichtige Rolle spielen (sollten) – siehe dazu Knorr Cetina (2002) und Schummer (2014).

    Doch auch in den Geowissenschaften haben sich gleiche Strukturen etabliert, so zum Beispiel die kürzeren Arbeitsverträge – siehe Vortrag von Kruhl auf dem DVGeo-Symposium, Seite 9.

    Das bedeutet auch hier, dass Ansätze außerhalb des Mainstreams kaum Chancen haben, gedacht zu werden. In der Endlagerfrage kommen dazu noch die einseitigen staatlichen Interessen, die Pluralismus in der scientific community nicht zulassen. Zwar gibt es vereinzelt ein Aufflackern solcher Aspekte, zum Beispiel Gieré in der Endlagerkommission und Hübscher auf der NBG-Veranstaltung. Aufgegriffen wurden sie aber nicht, nicht einmal diskutiert und dann für abwegig befunden.

    Die Endlagerkommission hat dies zwar gespürt und ein lernendes und selbsthinterfragendes Verfahren eingefordert, die Umsetzung in der Form des StandAG hat dies aber nicht instrumentalisiert. Allein die Erwähnung in § 1 Abs. 2 reicht bei Weitem nicht aus. Gerade die Strukturen im BfE, die stark denen im ehemalige BfS ähneln, lassen keinen Platz für eine Hoffnung auf Besserung.

    Die Strukturen im BfS führten dazu, dass die neu eingestellten GeologInnen nach anfänglicher Offenheit spätestens nach einem Jahr allein die fachliche Hausmeinung verinnerlicht hatten.

    Mein persönlicher Ansatz, im Fachgebiet Strahlenschutz in der Entsorgung – auf mir bekannten wissenschaftlichen Methodiken basierend – eine breite Herangehensweise an das Endlagerproblem zu entwickeln, wurde abgewürgt. Die dazu von mir erstellten Papiere wurden nicht diskutiert, sondern man reagierte 2006 mit einer Strafversetzung.

    Ich halte es für bezeichnend, dass die Endlagerkommission allein das Modell des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs des AkEnd übernommen hat, obwohl es allein dem Endlagermedium Salz auf den Leib geschneidert ist. Bei Ton sind schon wesentliche Abstriche notwendig, bei Kristallin ist es kaum noch anwendbar. Dabei werden wesentliche Grundsätze in anderen Sicherheitsphilosophien wie Redundanz und Diversität nicht im Modell berücksichtigt. War hier nicht eine Weiterentwicklung des Einkompartimentmodells ewG zu einem Mehrkompartimentmodell naheliegen?

  3. Man kann den Gedanken Einsteins

    PROBLEME KANN MAN NIEMALS MIT DER SELBEN DENKWEISE LÖSEN, DURCH DIE SIE ENTSTANDEN SIND

    auch gut auf die die Probleme der NUKLEAREN KETTE anwenden: Das absurd falsche Dosis- und Risikokonzept auf der Basis von Energie/Masse [m^2/s^2], das NICHTS über die Strahlenwirkung und das Strahlenrisiko auf Zell- und Keimzellebene aussagt, hat den Menschen vorgegaukelt sogenannte niedrige Strahlenbelastungen (<100 mSv oder < 6 mSv/h) seien harmlos und tolerierbar. Wenn dieses Dosiskonzept nicht überwunden, sondern beibehalten wird, können die Problem der nuklearen Kette “niemals gelöst“ werden. Im Gegenteil, diese Probleme werden sich potenzieren.

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