Intransparenz macht Schule – Beispiel Erdbebenzone

Informationen zu Ausschlusskriterien

Auf einer Veranstaltung der BGE in Hamburg wurde mitgeteilt, dass das Ausschlusskriterium Grundwasseralter aus naheliegenden Gründen bei der Erstellung des Zwischenberichts Teilgebiete nach § 13 StandAG nicht zur Anwendung kommt. Darüber hinaus wird beim Ausschlusskriterium seismische Aktivität, wozu im StandAG die DIN EN 1998-1/NA 2011-01 als Bewertungsgrundlage vorgeschrieben ist, mit einiger Sicherheit auf die neue Version DIN EN 1998-1/NA 2018-10 zurückgegriffen werden, die als Entwurf vorliegt und für 114,10 EUR bezogen werden kann.

Abweichung vom Gesetz ist hierarchisch abgesichert – ohne Transparenz

Auf die Rückfrage, ob diese Abweichung vom Gesetz auch von den hierarchisch höheren Ebenen gebilligt ist, wurde dies bejaht. Offensichtlich gibt es dazu also Abstimmungen mit BfE und/oder BMU. Sieht man in die Informationsplattform nach § 6 StandAG, so gibt es kein Dokument dazu. Die Abstimmung fand wohl offensichtlich klammheimlich statt. Sieht so Transparenz aus?

Berechtigte Erwartungen der Fachöffentlichkeit

Was sollte in einem partizipativen, wissenschaftsbasierten, transparenten, selbsthinterfragenden und lernenden Verfahren zu erwarten sein? Das Minimum wäre gewesen, dass die entsprechenden Abstimmungspapiere zwischen BGE, BfE und BMU auf der dafür vorgesehenen Informationsplattform öffentlich gemacht worden wären. Dann könnte die Fachöffentlichkeit wie zum Beispiel GeologInnen und GeophysikerInnen an Forschungsinstitutionen und StudentInnen dieser Fachrichtungen fachlich sich dazu äußern. Was ist zum Beispiel zu erwarten bei der Revision dieser DIN, die offensichtlich nicht marginal sein wird – siehe Änderungsvermerk:

Gegenüber DIN EN 1998-1/NA:2011-01 wurden folgende Änderungen vorgenommen:
a) Die Referenz-Gefährdungskenngröße wurde neu definiert;
b) Eingangsgrößen zur Beschreibung der seismischen Einwirkungen in Form des elastischen Antwortspektrums wurden für die Untergrundverhältnisse neu festgelegt;
c) die Gefährdungszonenkarte der Bemessungsbeschleunigung wurde durch eine neue (in den Konturen veränderte) Karte der Referenz-Spektralbeschleunigung (Fels mit v s = 800 m/s) ersetzt;
d) ein informativer Anhang zu den Seismischen Gefährdungskarten und Parameterwerten zur Beschreibung des elastischen horizontalen Antwortspektrums für TNCR = 975 und TNCR = 2475 Jahre wurde in Anhang E aufgenommen;
e) ein neuer informativer Anhang zur „Erläuterung des Vorgehens zur Ermittlung der Erdbebeneinwirkung im Falle von Scherwellengeschwindigkeiten unter 150 m/s“ wurde in Anhang NA.F aufgenommen;
f) die Karte der geologischen Untergrundklassen wurde angepasst und im informativen Anhang NA.G aufgenommen;
g) redaktionelle Überarbeitung des gesamten Dokumentes.

Der Anwendungsbereich dieser DIN ist hauptsächlich der Hochbau. Welche dieser Änderungen spielen für Untergrundbauten eine wesentliche Rolle?

Berechtigte Erwartungen der interessierten Öffentlichkeit

Für die interessierte Öffentlichkeit könnte man erwarten, dass die für die Öffentlichkeitsbeteiligung zuständige Stelle die vorgesehenen Änderungen der DIN verständlich erklärt und erläutert, weshalb die Abweichung von der gesetzlichen Vorgabe mit dem Hinweis auf Weiterentwicklung des Standes von Wissenschaft und Technik gerechtfertigt ist.

Das Vertrauensloch wird tiefer

Dies ist alles bisher nicht geschehen. Welche anderen Absprachen sind insgeheim getroffen worden? Insbesondere bezüglich Sachen, die mehr Relevanz haben als die DIN EN 1998-1/NA 2011-01. Mit solchen Machenschaften entfernt man sich immer weiter vom partizipativen, wissenschaftsbasierten, transparenten, selbsthinterfragenden und lernenden Verfahren und das Vertrauen geht weiter in den Keller. Wie will man aus diesem tiefen Vertrauensloch wieder herauskommen?

Ein Gedanke zu „Intransparenz macht Schule – Beispiel Erdbebenzone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.