Online-Sprechstunde zu 008_02TG_204_02IG_T_f_kro

Online-Sprechstunden zu allen 90 Teilgebieten

Von der BGE wurden vom 28.10. bis 06.11.2020 zu allen 90 Teilgebieten sogenannte Online-Sprechstunden von jeweils einer Stunde durchgeführt. Die Sprechstunden konnten über YouTube verfolgt werden. Fragen zu dem entsprechenden Gebiet konnten per Email, YouTube-Chatt und per Telefondirektschaltung vorgebracht werden. Eine Anmeldung bei YouTube war also nicht notwendig. Die Videos wurden dauerhaft gespeichert.

Komfortabler Weg zu den Informationen – jedoch wieder 9 Minuten für Einführungsvideo

An den Termin und den Link zum YouTube-Auftritt kam man recht einfach über die Online-Karte durch Linksklick auf das Teilgebiet und Klicken auf Weitere Informationen zu diesem Teilgebiet. Damit erhielt man eine Übersicht, die den einfachen Zugriff auf den Kurzsteckbrief und eine Langfassung über die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien ermöglichte. Trotzdem wurde bei jeder Sprechstunde eine Einführung von etwa 9 Minuten präsentiert. Man ging wohl davon aus, dass niemand sich diese Unterlagen angesehen hatte.

Fragen von endlagerdialog.de

Zu 008_02TG_204_02IG_T_f_kro (siehe Übersicht, Kurzsteckbrief und Langfassung) hatte endlagerdialog.de folgende Fragen per Email eingereicht:

Welche Bohrungen und welche Seismiken mussten verwendet werden?
Wenn es aus einem 3D-Modell des Landes stammt:
Welche Daten wurden in diesem Modell verwendet (Bohrungen, Seismiken)?
Wie war die Genese des 3D-Modell (Versionshistorie)?
An welchen Bohrungen und Seismiken wurde das 3D-Modell von der BGE nachgeprüft (Lage der Bohrungen, Bohrstrecke, Schichtenverzeichnisse; Lage der 2D-Seismik-Linien, Lage der 3D-Seismik Flächen)?

Die Lage der Basisfläche wird mit 1.500 m angegeben. Gemeint ist wohl >= 1.500 m.
Welche Aussagen können aus den Daten 1.500 bis 2.000 m gemacht werden?
Gibt es eine konkrete Information über die wahre Basisfläche?
Wie ist das liegende Gebirge beschaffen?

Welche Referenzdaten wurden bei der Anwendung der geowissenschaftliche Abwägungskriterien verwendet, woher stammen diese?

Weshalb war eine Einengung der Fläche des entsprechenden IGs bei der Anwendung der real vorliegenden Vergleichsindikatoren nicht möglich?
Welche Art von Daten werden benötigt, um eine solche Einengung der Fläche durchzuführen?
Wie kommt man an diese Daten heran?

Bitte einen WO- und einen NS-Schnitt durch Münster präsentieren, 10fache Überhöhung!

Im Westen gibt es Überschneidungen mit 078_06TG.
Bitte Schnitt Voshövel-Deuten mit 10facher Überhöhung präsentieren, in den die Grenzflächen von 008_02TG und 078_06TG zu sehen sind!

Gibt es im Überschneidungsbereich Anzeichen von exogenen Einflüssen auf die obere Grenzfläche von 008_02TG wie zum Beispiel eiszeitliche Rinnen oder Dekompaktionsereignisse?

Welches Gestein liegt eventuell zwischen 008_02TG und 078_06TG?

Welche Bohrungen haben sowohl 008_02TG als auch 078_06TG durchörtert?

Wo liegen die 4.558 km2 mit Mächtigkeit > 300 m?

Was bedeutet „siltige Ausprägung“? Das Glossar gibt dazu keine Auskunft!

Die Fragen wurden gut fünf Stunden vor Beginn der Sprechstunde übermittelt. Eingegangen wurde in der Online-Sprechstunde nur auf ein Bruchteil der Fragen.

3D-Modell nur kurz angeschnitten

Erwähnt wurde, dass ein 3D-Modell des Landes NRW verwendet wurde, in dem die stratigrafische Einheit Emscher Formation aufgenommen war. Weitere Informationen zum 3D-Modell wurden nicht gegeben, obwohl danach gefragt war.

Referenzdaten nach Rückfrage geklärt

Die Frage nach den Referenzdaten wurde sehr oberflächlich beantwortet. Deshalb wurde per Email die folgende Nachfrage hinterhergeschickt:

Nochmals Referenzdaten: Sind die Referenzdaten gültig für Tongestein kro oder für prätertiärem Tongestein oder für allgemein Tongestein?

Darauf wurde mitgeteilt, dass für alle identifizierten Gebiete mit Tongestein dieselben Referenzdaten verwendet wurden. Insofern wurde die Forderung, dass in den ersten Phasen der Standortauswahl nur gleiche Gesteinstypen untereinander und nicht gesteinsübergreifend verglichen werden sollten, erfüllt.

Plan zur Durchführung des Schritts 2 in der Phase I wird spannend

Schließlich wurde noch die Frage nach der Art von Daten, die zur Einengung der Teilgebiete führen sollen, aufgegriffen. Die Antwort fiel recht vage aus. Angedeutet wurde, dass weitere Daten von den Ländern abgerufen werden sollen. Das wurde bisher so nicht mitgeteilt. Man kann auf den Plan zur Durchführung des Schritts 2 in der Phase I gespannt sein, und nicht nur auf den Zeitplan. Versprochen wurde, diesen Plan noch in die Fachkonferenz Teilgebiete einzubringen.

Beantwortung im Nachgang

Sicherlich ist die Zeit von einer Stunde für ein Teilgebiet nicht ausreichend, um auf alle Fragen einzugehen, insbesondere wenn man ein Sechstel der Zeit nochmals mit einem Eingangsvideo verbringt. Es wurde zugesichert, dass die nicht behandelten Fragen nicht verloren gehen, sondern im Nachgang beantwortet werden.

5 Gedanken zu „Online-Sprechstunde zu 008_02TG_204_02IG_T_f_kro

  1. Irreführende Aussagen im BGE-Video

    Im YouTube-Video über die Online-Sprechstunde wird ab 8:00 Folgendes mitgeteilt:

    Wie geht es weiter? Die Teilgebiete werden weiter untersucht und mit verschiedenen Methoden eingegrenzt. Die BGE macht dann einen Vorschlag für Standortregionen, die Übertage untersucht werden sollen. Die zuständige Behörde, das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung – kurz BaSE -, prüft diesen Vorschlag. Nach Zustimmung des Bundesgesetzgebers finden über- und in einer späteren Phase untertägige Erkundungen statt, damit der bestmögliche Standort bis 2031 feststeht. Die Öffentlichkeit begleitet den gesamten Prozess. Sie kann ihre Anliegen beispielweise in der Fachkonferenz Teilgebiete vorbringen, die vom BaSE organisiert wird.

    Hierin wird der Eindruck vermittelt, dass direkt nach Prüfung des BaSE der Bundesgesetzgeber entscheidet. Es wird nicht erwähnt, dass parallel zur Prüfung des BaSE sich Regionalkonferenzen und der Rat der Regionen damit beschäftigen und Nachprüfungen verlangen können. Dann finden ein Stellungnahmeverfahren und danach Erörterungen in der Öffentlichkeit statt. Erst danach gehen die Unterlagen an den Bundesgesetzgeber, der auf dieser Grundlage zu entscheiden hat.

    Die Verkürzung auf

    Die Öffentlichkeit begleitet den gesamten Prozess.

    ist irreführend.

    Weiterhin wird die Fachkonferenz Teilgebiete nicht vom BaSE organisiert, sondern dieses Amt beruft lediglich diese Konferenz. Weiterhin wird am BaSE eine Geschäftsstelle eingerichtet. Wer diese Geschäftsstelle einrichtet, ist im Gesetz nicht geregelt. Naheliegend ist, dass das BMU diese Geschäftsstelle analog der Geschäftsstellen des Kerntechnischen Ausschusses und der RSK/ESK am BaSE als unabhängige Einheit einrichtet. Im Übrigen organisiert sich die Fachkonferenz selbst.

  2. Wurden die im Nachgang zu beantwortenden Fragen (und deren Antworten) schon irgendwo im online Dschungel der BGE gesichtet?

    • Nicht, dass ich es wüsste!

      So viel ich mich erinnere, wurde bei einer anderen Online-Sprechstunde angekündigt, dass die Antworten zu speziellen, allein das entsprechende Teilgebiet betreffende Fragen auf der Übersichtsseite gegeben werden. Da steht bisher nichts!

      Allgemeine Fragen sollen woanders beantwortet werden. Wo ist mir nicht klar!

      Eine andere Aussage ist, dass die per Email eingegangenen Fragen auch per Email beantwortet werden!?

  3. Danke für den Kommentar zu den Online-Sprechstunden
    endadm sagte am 06/11/2020 um 17:58 :

    …Es wird nicht erwähnt, dass parallel zur Prüfung des BaSE sich Regionalkonferenzen und der Rat der Regionen damit beschäftigen und Nachprüfungen verlangen können. Dann finden ein Stellungnahmeverfahren und danach Erörterungen in der Öffentlichkeit statt. Erst danach gehen die Unterlagen an den Bundesgesetzgeber, der auf dieser Grundlage zu entscheiden hat.

    Wer ist der Rat der Regionen? Wie setzt er sich zusammen, wo finde ich/wir Informationen dazu?

    Grüße

    • Der Rat der Regionen, oder genauer die Fachkonferenz Rat der Regionen ist geregelt in § 11 StandAG:

      § 11 Fachkonferenz Rat der Regionen
      (1) Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung richtet nach Bildung der Regionalkonferenzen eine Fachkonferenz Rat der Regionen ein. Diese setzt sich aus Vertretern der Regionalkonferenzen und von Gemeinden, in denen radioaktive Abfälle zwischengelagert werden, zusammen. Die Anzahl aller Vertreter der Zwischenlagerstandorte soll der Anzahl der delegierten Vertreter einer Regionalkonferenz entsprechen. Die Fachkonferenz Rat der Regionen soll die Anzahl von 30 Teilnehmern nicht überschreiten.
      (2) Die Fachkonferenz Rat der Regionen begleitet die Prozesse der Regionalkonferenzen aus überregionaler Sicht und leistet Hilfestellung beim Ausgleich widerstreitender Interessen der Standortregionen.
      (3) Die Fachkonferenz Rat der Regionen wird von einer Geschäftsstelle unterstützt, die beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung eingerichtet wird.

      In der Gesetzesbegründung heißt es dazu:

      Zu § 11 (Fachkonferenz Rat der Regionen)
      Als ein weiteres neues Instrument der Beteiligung wird entsprechend des Vorschlags der Endlagerkommission
      die Fachkonferenz Rat der Regionen eingerichtet. Im Rat der Regionen werden die Ergebnisse des Vorhabenträgers
      und des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit nachvollzogen und die Prozesse der Regionalkonferenzen
      miteinander verglichen. Die Fachkonferenz soll dem Erfahrungsaustausch und der Entwicklung
      einer überregionalen Perspektive auf die Standortsuche dienen. Der Rat soll das Standortauswahlverfahren mit
      dem Ziel begleiten, die Standortauswahl mit den widerstreitenden Interessen der betroffenen Standortregionen in
      Einklang zu bringen. Die Nichteinhaltung der normierten Aufgaben, Organisation und Fristen begründet keine
      Verfahrensfehler.

      Zu Absatz 1
      Absatz 1 legt Einrichtung, Zusammensetzung und Wahl des Rates der Regionen fest. Dieser setzt sich zusammen
      aus den Vertretern der Regionalkonferenzen und den Gemeinden, in denen radioaktive Abfälle zwischengelagert
      werden. Die Vertretungskreise der Regionalkonferenzen bestimmen aus deren Mitte die zur Fachkonferenz „Rat
      der Regionen“ zu entsendenden Vertreterinnen und Vertreter, um den Wissenstransfer über die Gremien hinweg
      gewährleisten zu können.

      Zu Absatz 2
      Aus Absatz 2 ergeben sich als Aufgaben des Rates der Regionen die überregionale Begleitung der Prozesse der
      Regionalkonferenzen sowie die Unterstützung des Interessenausgleichs innerhalb der in Betracht gezogenen
      Standortregionen. Darüber hinaus soll in der Fachkonferenz Rat der Regionen eine übergreifende Strategie zur
      Förderung der Regionalentwicklung in den Standortregionen entwickelt werden. Seine Beratungsergebnisse kann
      der Rat der Regionen als Bericht an das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit übermitteln.

      Zu Absatz 3
      Absatz 3 bestimmt, dass der Rat der Regionen bei seiner Organisation durch eine Geschäftsstelle unterstützt wird.
      Sie wird beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit eingerichtet.

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