Bericht aus dem Innenleben des BfS

Langjähriger Leiter des BfS-Präsidialbereichs

Der langjährige Leiter des Präsidialbereichs des BfS, Karl Amannsberger, berichtet in einem 20 minütigen Gespräch aus seinem Arbeitsleben und gibt damit einen kleinen Einblick in das Innenleben einer dem Bundesumweltministerium nachgeordneten Behörde.

Arbeitssituation, Loyalität, Endlagerung, Kinderkrebsstudie, Flugzeugabsturz

Im ersten Teil geht es um die allgemeine Arbeitssituation und insbesondere um Loyalitätsfragen. Ab 6:40 kommt Herr Amannsberger auf die Endlagerung zu sprechen, um dann bei der Kinderkrebsstudie (14:40) und dem Schutz von Atomanlagen gegen Flugzeugabstürze mit terroristischer Absicht (17:15) zu landen.

Das BfS als wissenschaftliche Behörde?

Bemerkenswert ist die Äußerung bei 3:55:

Wir wollten keine Atomgegnerbehörde machen, sondern wir wollten, dass wirklich nach wissenschaftlichen Kriterien gearbeitet wird, was die Leute immer vor sich hergetragen haben.

endlagerdialog.de hat bis 2011 ebenfalls in dieser Behörde gearbeitet, musste aber schon 2005 feststellen, dass wissenschaftliche Ansätze nicht immer gefragt waren. Die Loyalität von MitarbeiterInnen einer Behörde beinhaltet auch das Recht und die Pflicht zur Remonstration. Das Ergebnis einer solchen Remonstration bei der Formulierung des Planfeststellungsantrages zur Schließung des Endlagers Morsleben war im Jahr 2006 dann eine Strafversetzung in eine andere Abteilung des BfS. Interne Kritik insbesondere an der Kommunikation des BfS über Asse II führte schließlich 2011 zur fristlosen Entlassung.

Das BfS wurde leider keine neutrale, wissenschaftlich orientierte Behörde, sondern machte einen Ideologiewechsel durch.

1 Mio. Jahre, Formation, neue Endlagerstandortsuche

Herr Amannsberger klärt deutlich über die Herkunft der 1 Mio. Jahre bei den Endlagersicherheitsbetrachtungen (10:38) auf, benutzt dann aber bei 11:00 den wissenschaftlich nicht passenden Begriff Formation (Formation ist ein Begriff aus der Stratigraphie, hier ist aber die Lithologie gefragt). Bei der Aufzählung der drei möglichen Barrieregesteine in Deutschland bleibt er stehen, ohne die Vorteile der Kombination mehrerer Gesteine zu erwähnen. Schließlich kommt er sehr verkürzt auf die neue Suche nach einem Endlagerstandort zu sprechen (11:40). Leider führt er nicht aus, dass es wissenschaftsmethodisch unausweichlich ist, eine vergleichende Standortsuche durchzuführen.

Ein Gedanke zu „Bericht aus dem Innenleben des BfS

  1. Vielen Dank für diesen Link: https://vimeo.com/353727470 !! Es ist interessant, und es lässt in die Abgründe des amtlichen Strahlenschutzes blicken, wie positiv und bar jeglicher Konsequenz Herr Amannsberger die KiKK-Studie schildert. Er scheint sich überhaupt nicht im Klaren darüber zu sein, was das Ergebnis dieser und vieler ähnlicher Studien eigentlich bedeutet, nämlich, dass die Strahlenschutzparadigmen um Größenordnungen falsch sein müssen. Ich war Mitglied der begleitenden Expertenkommission, welche Herr Amannsberger erwähnt. Die Arbeit in dieser Kommission hat mit dazu beigetragen, dass wir später die massiven Veränderungen des sekundären Geschlechtsverhältnisses um Nuklearanlagen entdeckt haben. Diese Effekte weisen eindeutig auf genetische Beeinträchtigung des Menschen hin. Unsere neuste diesbezügliche Arbeit findet sich hier (Link gültig bis 24.9.2019): https://authors.elsevier.com/a/1ZWB53AWI4OBrk. Die Messlatte der Endlagerung, nämlich die Verhinderung der Freisetzung von schädigender Radioaktivität, ist heute bereits gerissen, bevor noch überhaupt ein Becquerel endgelagert worden ist. Ich bin gespannt, ob ich noch erlebe, dass diese Erkenntnis amtlich akzeptiert wird. Herr Amannsberger hatte jedenfalls an folgender Veranstaltung teilgenommen: https://kotting-uhl.de/site/bericht-zum-fachgespraechdie-verlorenen-maedchen-auswirkungen-ionisierender-strahlung-auf-das-geschlechterverhaeltnis/. Von „Endlagerung nach Stand von Wissenschaft und Technik“ kann weit und breit keine Rede sein. Das (schleichende) Desaster ist vorprogrammiert.

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