„Forschungsplattform Entsorgungsoptionen“ mit 15 Mio. EUR Steuermitteln ausgestattet

Die Plattform

Die Forschungsplattform Entsorgungsoptionen für radioaktive Reststoffe wurde jetzt mit 15 Mio. EUR Finanzmitteln ausgestattet. Dies ist der Finanzansatz für die kommenden fünf Jahre. Beteiligt sind

  • Technische Universität Clausthal:
    Institut für Endlagerforschung – Sprecher Prof. Röhlig
    Institut für Aufbereitung, Deponietechnik und Geowissenschaften
    Unterbeauftragungen, u.a. risicare GmbH (Schweiz)
  • Technische Universität Braunschweig:
    Institut für Rechtswissenschaften
    Institut für Grundbau und Bodenmechanik
    Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz
  • Leibniz Universität Hannover:
    Institut für Radioökologie und Strahlenschutz
    Institut für Werkstoffkunde
  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
    Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse
    Institut für Nukleare Entsorgung
  • Freie Universität Berlin
    Forschungszentrum für Umweltpolitik
  • Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
    Institut für Philosophie und Ethik der Umwelt

Sprecher der Forschungsplattform sind Prof. Röhlig, Prof. Brandt und Prof. Walther. Eine Frau ist im Sprechergremium nicht vertreten. Herr Röhlig war bereits Mitverfasser der Studie Radioactive Waste – Technical and Normative Aspects of its Disposal (Gorleben plus).

Aufgaben

Aufgabe der Plattform ist disziplinäre und multidisziplinäre Forschung zu den drei Schlüsseloptionen der Entsorgung – besser der Langzeitlagerung:

  • Endlagerung in tiefen geologischen Formationen ohne Option Rückholbarkeit,
  • Einlagerung in tiefen geologischen Formationen mit Option Rückholbarkeit und
  • Oberflächenlagerung.

Erstaunlich ist, dass kein interdisziplinärer Ansatz auf dem Programm steht.

Eng begrenztes Thema war schon Thema einer Studie von 2001

Weiterhin bemerkenswert ist das eng begrenzte Forschungsgebiet. Das gleiche Thema hatte schon eine Studie, die im Auftrag des BMU erstellt wurde – Appel, D., J. Kreusch, Neumann, W. (2001). Vergleichende Bewertung von Entsorgungsoptionen für radioaktive Abfälle. Hier wurden folgende Lageroptionen verglichen:

  1. Baldige Endlagerung (EL),
  2. Endlagerung mit Rückholbarkeit der Abfälle (ELR),
  3. Kontrollierte geologische Langzeitlagerung (KGL),
  4. Langzeit-Zwischenlagerung und
  5. Dauerlagerung.

Es stellt sich die Frage, ob diese Studie so erhebliche Mängel aufweist, dass sie jetzt wiederholt werden muss? Oder hat sich in den letzten zehn Jahren so viel verändert, dass eine ganze Forschungsplattform – ausgestattet mit 15 Mio. EUR – notwendig ist, um die Ergebnisse zu aktualisieren? Dies wäre eigentlich eine Aufgabenstellung für eine Diplomarbeit. Für eine Doktorarbeit würde der Neuigkeitsaspekt fehlen. Weitere Fragen drängen sich auf:

  • Warum sind die Sprecher der Forschungsplattform nicht Detlef Appel, Jürgen Kreusch und Wolfgang Neumann?
  • Haben die oben genannten Bearbeiter auch 15 Mio. EUR für die Erstellung der Studie erhalten?

Kritik an der Forschungsplattform

Dies führt leicht zur Unterstützung der Kritik, die von der BI Lüchow-Dannenberg und von DIE LINKE vorgebracht wird. Doch Forschung auf dem Gebiet der Langzeitlagerung radioaktiver Abfälle ist notwendig, um endlich die Scientific Community zu vergrößern und pluralistische Ansätze zum Tragen kommen zu lassen – siehe Artikel Was bedeutet wissenschaftsbasiert? inklusive der Artikelkommentare.

Bisherige Forschungsdefizite

Dazu ist es notwendig, insbesondere junge ForscherInnen anzusprechen. Das wird durch das vorgestellte Programm keineswegs erreicht.

Ganz unangesprochen bleiben wissenschaftstheoretische Ansätze – wie Rollenverteilung zwischen Wissenschaft und Politik – und Fragen der Wissenschaftsforschung. So auch die Frage der Nichtwissenskulturen und deren Auswirkungen auf die Endlagerfrage mit den wesentlichen Aspekten Strahlenschutz und Geologie.

Nur durch eine interessante Öffnung der Endlagerfragestellung auf Fragen, die sich auf andere Probleme anwenden lassen, die die Endlagerung nur als Sonderfall von ähnlichen gesellschaftlichen Problemen behandelt, findet solch ein Forschungsfeld dauerhaft breites Interesse. Dabei könnte das vergebliche 35-jährige Herumlavieren bei der Endlagerfrage in Deutschland als historisches Beispiel analysiert werden.

Als Steuerzahler kann man nur hoffen, dass nach der Zusage über 15 Mio. EUR das bisher politisch-plakative Forschungsprogramm zu einem vernünftigen, differenzierten Ansatz verändert wird und sich so von den parteipolitischen Fesseln befreit.

Öffentlicher Forschungsbeirat

Ganz unverständlich ist die Gründung einer Forschungsplattform auf solch einem gesellschaftlich umstrittenen Gebiet ohne vorhergehende Einbeziehung der interessierten Öffentlichkeit. Der Elfenbeinturm ist vorgezeichnet. Zu fordern ist zumindest ein öffentlich tagender Forschungsbeirat, in dem alle Endlager- und Zwischenlagerstandorte in Deutschland vertreten sind. Regelmäßig zu erstellende Meinungsbilder sind kein wirksames Instrument gegen Elfenbeintürme.

2 Gedanken zu „„Forschungsplattform Entsorgungsoptionen“ mit 15 Mio. EUR Steuermitteln ausgestattet

  1. Und Abtrennung/Transmutation?
    Nach den spärlich vorliegenden Informationen gehört zur Aufgabe der Plattform die Forschung zu den drei Schlüsseloptionen der sogenannten „Entsorgung“:

    • Endlagerung in tiefen geologischen Formationen ohne Option Rückholbarkeit,
    • Einlagerung in tiefen geologischen Formationen mit Option Rückholbarkeit und
    • Oberflächenlagerung.

    Es fällt auf, dass hier die partitioning/transmutation mit keinem Wort erwähnt wird. Sie spielt aber bei GORLEBEN plus eine wesentliche Rolle.

    Auf jeden Fall ist diese Konditionierungsmethode für hochradioaktiven Abfall in der Diskussion (DPG, KIT), und es werden erhebliche Steuergelder in die Forschung gesteckt. Insofern kann sie bei einem wissenschaftlichen Ansatz nicht unberücksichtigt bleiben. Im Forschungsprojekt muss deshalb auf valider Basis das Potenzial dieser Vorbehandlungsmethode vor dem Hintergrund des endgültigen Ausstiegs aus der Atomkraftnutzung betrachtet werden.

    • Wie hoch ist der technische und finanzielle Aufwand?
    • Wie hoch ist der Energieverbrauch?
    • Wie hoch sind die freigesetzte Radiotoxizität und die reduzierte Radiotoxizität?

    Wenn diese Fragen nicht bearbeitet werden, kann die Methode zum Schluss als Wunderwerkzeug aus dem Sack gelassen werden und das gesamte Forschungsergebnis kippen.

    Oder ist dies sogar beabsichtigt?

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