Vorbild: Das Schwedische Modell der Endlagersuche

swBericht vom Endlager-Symposium

Vom Endlager-Symposium 2012 in Bonn wird in der atw berichtet:

Bei den auf der Veranstaltung in Bonn diskutierten Lösungsansätzen, fand vor allem das schwedische Modell einen positiven Anklang. Hier werden die Gemeinden nicht zur Errichtung eines Endlagerstandortes gezwungen, sondern die schwedische Regierung verfolgt das Ziel der intensiven Öffentlichkeitsbeteiligung und der Freiwilligkeit einer Gemeinde, zum Endlagerstandort zu werden.

Die Realität des Schwedischen Modells

Wie sieht dieses positive Modell aus? Wie ist der Begriff Freiwilligkeit zu verstehen? Dazu ist lesenswert Seite 21 in Sundqvist, G.(2002). The Bedrock of Opinion. Science, Technology and Society in the Siting of High-Level Nuclear Waste. Danach wurde die erste Machbarkeitsstudie im Jahr 1992 gestartet.

Der erste Suchprozess scheitert an lokalen Referenden

Es sollten 5 bis 10 Standorte einbezogen werden. Dazu wurden alle 286 Gebietskörperschaften eingeladen. Nur zwei – Storuman und Mala – erklärten sich für eine Vorstudie bereit. Deshalb wurden nochmals gezielt die „nuklearen“ Gebietskörperschaften angesprochen, in denen bereits Atomkraftwerke betrieben wurden. Von diesen fünf erklärten sich drei – Östhammar, Nyköping und Oskarshamm – für Vorstudien bereit. Nach der Fertigstellung einer ersten Vorstudie im Jahr 1995 zu Storuman wurde in einem lokalen Referendum mit breiter Mehrheit eine weitere Teilnahme am Suchprozess abgelehnt. Im September 1997 zog sich nach Referendum auch Mala zurück.

Konzentration auf die „nuklearen“ Gebietskörperschaften

Danach konzentrierte man sich allein auf die drei „nuklearen“ Gebietskörperschaften. Vorstudien wurden dann zu den drei Standorten Tierp, Älvkarleby und Hultsfred erstellt.

Die Übertragung auf Deutschland

Auf Deutschland übertragen sollten also jetzt massiv die AKW-Standorte

  • Kernkraftwerk Biblis (KWB) Hessen,
  • Kernkraftwerk Brokdorf (KBR) Schleswig-Holstein,
  • Kernkraftwerk Brunsbüttel (KKB) Schleswig-Holstein,
  • Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG) Bayern,
  • Kernkraftwerk Grohnde (KWG) Niedersachsen,
  • Kernkraftwerk Gundremmingen (KRB) Bayern,
  • Kernkraftwerk Isar (KKI) Bayern,
  • Kernkraftwerk Krümmel (KKK) Schleswig-Holstein,
  • Kernkraftwerk Emsland (KKE) Niedersachsen,
  • Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) Baden-Württemberg,
  • Kernkraftwerk Philippsburg (KKP) Baden-Württemberg,
  • Kernkraftwerk Unterweser (KKU) Niedersachsen und
  • Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) Baden-Württemberg

angesprochen und als „nukleare“ Gebietskörperschaften entwickelt werden.

Subjektive Stochastik durch objektive Stochastik ersetzen

Dabei ergibt sich auch die Möglichkeit, von dem Einendlagerkonzept herunterzukommen und die rein subjektive Stochastik durch eine mehr objektive Stochastik zu ersetzen (siehe De Finetti, B.(1990). Theory of Probability – A critical introductory treatment). Oder einfacher: Das Grundprinzip der Diversifizierung sollte diskutiert werden. Dies wurde bereits in Kromp, W. und R. Lahodynsky (2006). Die Suche nach dem Endlager – „Make Things Small“, in: P. Hocke und A. Grunwald (Hrsg.), Wohin mit dem radioaktiven Abfall? – Perspektiven für eine sozialwissenschaftliche Endlagerforschung, S. 63-81 angesprochen.

Und die Schwedische SKB3-Methode?

Ganz abgesehen von der Standortfrage im Schwedischen Modell stellt sich inzwischen eine grundsätzliche Frage zu der in Schweden verfolgten sogenannten SKB3-Methode. Diese beruht auf der Korrosionsstabilität von Kupferbehältern. Die Stabilität wird inzwischen in Zweifel gezogen. Dazu wurde ein Workshop veranstaltet. Siehe auch Ulf Rossegger, Nuclear waste management within Sweden and in the United Kingdom: International Conference of Young Scientists on Energy Issues, Lithuanian Energy Institute, Kaunas (Lithuania), 24.- 25.05.2012.

4 Gedanken zu „Vorbild: Das Schwedische Modell der Endlagersuche

  1. Zu der Realität des Schwedischen Modells mit der „Entwicklung“ von AKW-Standorte als “nukleare” Gebietskörperschaften passt eine andere Berichterstattung vom Endlager-Symposium 2012. Darin ist zu lesen:

    Solange kein Endlager für hochradioaktive Abfälle zur Verfügung steht, müssen diese zwischengelagert werden. Hiervon sind vor allem die Standortgemeinden stark betroffen, wie der Erste Bürgermeister von Gundremmingen, Wolfgang Mayer, emotional vortrug: „Dieses unwürdige Hickhack um die Endlagerung des ‚Atommülls‘ wird nicht erst seit heute hauptsächlich auf dem Rücken der Gemeinden ausgetragen. Der Beschluss, das seit Jahrzehnten immer ,kurz vor dem Erkundungsende stehende‘ Gorleben praktisch aufzugeben und ,demnächst‘ eine ,ergebnisoffene Suche‘ nach einer neuen Endlagerstätte zu beginnen, ist ein weiterer Schlag für die Gemeinden, der nicht hingenommen werden kann.“

    Es ist die wohl berechtigte Frage zu stellen: Warum sollen nicht die Standorte mit hoher Priorität in die Suche einbezogen werden, die bisher von der Kernkraftnutzung überproportional profitiert haben?

    Ansonsten kann nur mit dem Kopf geschüttelt werden, mit welchen oberflächlichen Beiträgen offensichtlich dieses Endlager-Symposium abgelaufen ist. Da haben sich die 840 EUR Tagungsgebühren wirklich nicht gelohnt. Und warum haben sich das die 120 TeilnehmerInnen bieten lassen? Oder wissen sie es auch nicht besser? Denn von richtig stellenden Diskussionbeiträgen ist in der Berichterstattung nichts zu lesen. Siehe auch hier.

    Auf jeden Fall ist vom Veranstalter Aachen Institute for Nuclear Training (AiNT) als Weiterbildungsorganisation wegen Inkompetenz dringend abzuraten. Gleiches gilt für die atw als Fachzeitschrift. Sie ist ja nach eigener Auskunft das „offizielle Fachblatt der Kerntechnischen Gesellschaft“ – oder kürzer „PR-Blatt“.

    • Da Endlagerkonzepte ohnehin nicht überzeugen, zumal stabiler, verschiebefester und wasserdichter Bergbau weit mehr Probleme aufwirft als oberirdische Bauwerke, empfiehlt sich deren Errichtung möglichst dicht beim Atommüll-Erzeuger.

      Genau das aber wünscht sich die Atomlobby nicht, sondern möchte es möglichst tief und unrückholbar abkippen, wie in der Schachtanlage Asse über Jahrzehnte geschehen, deren technische Ungeeignetheit vermutlich schon in den Anfängen rasch „erforscht“, aber verheimlicht wurde, bis es den Betreibern mit ihren Hausmittelchen allein nicht mehr zu meistern war.
      Mit Presseerklärung vom 2.11.2012 forderte das „Atomforum“ die „zeitnahe Inbetriebnahme der Schachtanlage Konrad“ und verlangt eine regierungsamtliche Garantie für ein „Endlager“, falls Gorleben ausscheide.
      Nur eines darf der Atomlobby nicht sein: Dass sie auf ihrem Atommüll in Zwischenlagern sitzen bleibt, denn der Müll soll möglichst rasch dem Bund bzw. den Steuerzahlern gehören, damit die Atomkonzerne weiterhin vom „billigen Atomstrom“ schwafeln können und Milliardengewinne an Dividenden ausschütten anstatt mit den Erträgen den Atommüll zu hüten.

      • Ich wäre vorsichtig mit oberirdischen Langzeitlagern. Schließlich geht es nicht um 100 oder 1.000 Jahre, sondern um einen Zeitraum von 10 Mio. Jahre – 10.000.000.

        Auch würde ich dieses nicht fordern, allein weil die Atommüll-Erzeuger das nicht wollen und weil sie es finanziell stark belasten würde – aber nur theoretisch. Denn eine juristische Person über einen langen Zeitraum zu belangen, ist wohl aussichtslos. Dazu gibt es zu viele Möglichkeiten für juristische Personen, dem zu entkommen.

        Die Entscheidung, welche Methode der Langzeitlagerung verfolgt werden soll, muss sich an möglichst objektiven Argumenten festmachen, die auch langfristigen Bestand haben. Ein verständlicher temporärer Hass auf die Hauptabfallerzeuger – siehe zum Beispiel 3,7 Mrd.-Euro-Verfahren von VATTENFALL vor dem ICSID – bringt uns hier nicht weiter.

        Anzumerken sei auch noch, dass der Staat die Energieversorger Mitte der 1960er Jahre -wohl um militärische Ziele zu tarnen – genötigt hat, in diese Technologie einzusteigen. Radkau hat das sehr realistisch geschildert.

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