Monitoring am verschlossenen Endlager

Monitoring beeinflusst inhärente Sicherheit?

Beta-plus-Zerfall setzt ein Neutrino frei Beta-minus-Zerfall setzt ein Antineutrino frei

Beta-plus-Zerfall mit Neutrino
Beta-minus-Zerfall mit Antineutrino

Allgemein herrscht die Vorstellung, dass bei einem einmal verschlossenen Endlager kein effektives Monitoring mehr möglich ist. So ist in der Schweiz vorgesehen, das Monitoring auf ein Pilotlager als Bestandteil des Tiefenlagers zu beschränken. Siehe auch Monitoring in einem Pilotlager .
Im ENTRIA-Memorandum wird ausgeführt, dass Monitoring das technische Risiko erhöhe (S. 27f.):

Auch inhärente Sicherheit birgt das Risiko eines Schadens, dem eventuell nicht entgegengetreten werden kann. Soll ein solches Risiko auf gar keinen Fall akzeptiert werden, so können Monitoring und Rückholbarkeit Bestandteile der Entsorgungsoption werden, weil sie mehr Kontrolle und Handlungsspielräume in Bezug auf mögliche nicht akzeptable Entwicklungen versprechen. Maßnahmen dieser Art erhöhen allerdings wiederum das technische Risiko.

Monitoringmethoden ohne Beeinflussung der inhärenten Sicherheit?

Muss Monitoring immer das technische Risiko erhöhen? Gibt es keine  Monitoringmethode, die die inhärente Sicherheit eines Tiefenlagers nicht beeinträchtigt? Auf diese Frage wurde bereits im Beitrag Nichtwissenskultur erfordert Endlager-Monitoring eingegangen. Erwähnt wurde darin die Neutrino-Spektroskopie. Neutrinos bzw. Antineutrinos werden bei jedem Beta-plus- bzw. Beta-minus-Zerfall freigesetzt, wie sie in einem Endlager für radioaktive Abfälle auftreten.

Neutrinospektroskopie bei der Überwachung von Reaktoren

Neutrinos lassen sich aufgrund ihrer geringen Wechselwirkung mit Materie in größerer Entfernung messen. Dies ist mit einigem Aufwand verbunden, was auch auf die geringe Wechselwirkung zurückzuführen ist. Aber die Entwicklung dieser Methode bei der Überwachung von Kernreaktoren zeigt Fortschritte, wie einer Mitteilung der Technischen Universität München vom April 2014 zu entnehmen ist.

Neutrino- und Antineutrino-Spektren radioaktiver Abfälle

Ähnlich wie die Antineutrino-Spektren der Uran-235-, Plutonium-239- sowie -241- und nun zwanzig Jahre später der Uran-238-Spaltprozesse bestimmt wurden, sollte man daran gehen, Neutrino- und Antineutrino-Spektren der in radioaktiven Abfällen ablaufenden Prozesse zu untersuchen. Dann hätte man  bei einem Endlager, was vielleicht 2050 verschlossen wird, eventuell ein technisch ausgereiftes Fernmonitoring in der Hand.

Möglichkeit der Bildung von „sterilen“ Neutrinos und Antineutrinos

Möglich ist selbstverständlich auch die Bildung von „sterilen“ Antineutrinos. Diese Hypothese wird bei Reaktor-Antineutrino-Spektren  wegen Diskrepanzen zwischen theoretischen und experimentellen Daten formuliert.

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